Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

187 
Maske schminkte und mit der Soubrette allein war, 
drängte es ihn doch, sich auszusprechen. 
„Wissen Sie, Laura, es liegt mir ja nichts an den 
paar Franken. Aber das hätte ich doch nicht geglaubt 
von den Weibern.“ 
Fräulein Laura säss vor dem langen Schminktisch, 
auf dem die Schminkschatullen der Damen standen 
und tupfte sich mit der Puderquaste die Nase. 
Flametti, stehend, Laura den Rücken zugekehrt, zog 
sich, ein wenig unbeholfen, Indianerfalten zwischen 
Nasenflügel und Oberlippe. 
Von unten hörte man Herrn Meyer das Zwischen 
stück, den Missouri-Step, spielen. 
Flametti kam auf seinen Prozess zu sprechen. 
„Wissen Sie,“ meinte er seitwärts durch die ge 
lüpfte Oberlippe, „das ist ja ganz anders, als die alle 
glauben. Das weiss ja meine Alte selbst nicht.“ 
Fräulein Laura malte sich mit dem Augenstift ja 
panische Monde. 
„Mit der Traute, das stimmt. Aber mit der Güssy 
— schon in Bern — das war ein Gewaltsakt. Wenn 
man dahinterkommt, geht’s mir nicht gut.“ 
Für feinen Moment verstummte unten im Saal Herrn 
Meyers Missouri-Step. 
Laura sprang auf und horchte über das Treppen 
geländer hinunter. 
„Haben noch Zeit!“ meinte Flametti. 
Und Herr Meyer legte auch sofort mit der Wieder 
holung los. 
«Fräulein Laura eilte zurück zur Schminkschatulle. 
Flametti warf seinen Häuptlingsrock über den Kopf. 
„Jenny versucht ja alles. Sie schafft Geld und sie
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.