Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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Emils gedachte sie beim Anblick der Gans, dieses 
Wahrzeichens von Kultur und Wohlstand, dieses In 
begriffs aller heimischen Geborgenheit und ehelichen 
Einfalt. Ihres fernen Emils gedachte sie und glück 
licherer, vergangener Zeiten. Salzige Tränen rannen ihr 
über die schlaff geweinten Wangen... 
Gelang es Jenny auf diese Weise, den am Verfall 
sich mästenden Zynismus der beiden Scheideisen zu 
knebeln, so sah sie doch ein, dass damit nur die Hälfte 
der Arbeit geleistet war. 
Gefährlicher drohten die stilleren Elemente des En 
sembles: Herr Meyer, dieser Idealist, dem es nicht 
passte, dass Flamettis Flagge auf Halbmast wehte; 
der 'sich ganz persönlich betroffen fühlte von Flamettis 
Fehltritt und seinem Verzicht auf ein erstklassiges Re- 
nomme. 
Fräulein Laura, die gewiss an dem Meyer schürte, 
weil es sie juckte, selbst die Direktorin zu spielen, 
an der Kasse zu sitzen und das Geld einzuheimsen, 
statt mit der Kassiermuschel durch das Lokal zu tippeln. 
Jenny entging nicht die heimliche Verschwörung, 
die man im ,Krokodilen' geschmiedet hatte. 
Freilich musste der Meyer sich einbilden, er könne 
so gut wie Flametti ein Variete aufmachen. Was war 
leichter als das? ' 
Freilich glaubte diese Laura, sie kenne den verstoh 
lensten Geschäftskniff, weil es ihr gelungen war, Jenny 
den Seidel & Sohn auszuspannen. 
Aber Sie sollten sich verrechnet haben. 
„Bis hierher und nicht weiter," sagte sich Jenny. 
„Wenn sie Weggehen, sind wir pleite."
	        

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