Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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Lena lächelte. 
Die Soubrette nahm einen Schluck Kaffee, schob 
ihre Mütze ein wenig 1 zurück und las. 
Aber dann lächelte auch sie, nicht unhöflich, nur 
etwas ironisch und gab die Papiere zurück. 
„Glauben Sie, dass das etwas nützen wird?“ 
fragte isie maliziös. Die Wahrheit der hier verbrieften 
Aussagen 'ging ihr nicht ohne weiteres ein. Auch schien 
sie 'Zweifel zu leiden am notariellen Kredit der unter- 
schriebnen Persönlichkeiten. Lenas Gemahl war eben 
aus (dem Gefängnis entlassen, wo er für einen Well 
blechdiebstahl zwei Monate Aufenthalt hatte. Der an 
dere Herr, Herr Leinvogel war Laura nicht bekannt, 
aber eben deshalb wohl eine noch zweifelhaftere 
Notabilität. J 
Die beiden Herren versicherten an Eidesstatt, die 
Liebe der beiden Lehrmädchen Güssy und Traute zu 
der und der Zeit zu mehreren Malen besessen und 
käuflich erworben zu haben. 
Jenny riss der Soubrette die beiden Papiere aus 
der Hand, faltete sie zusammen und lächelte: 
„Ob das wirken wird! Ob das nützt! Da hat man’s 
ja schwarz auf weiss, was das für Dämchen waren! 
Und ausserdem: fechte ich ihre Glaubwürdigkeit an.“ 
Der Soubrette gab’s einen Ruck. Doch sie besann 
sich ( umd parierte mit einem mitleidigen Achselzucken. 
Lena war sichtlich überrascht. 
„Was heisst anfechten?“ nahm die Soubrette jetzt 
offen die Partei ihrer Kolleginnen. 
„So?“ schrie Jenny, aufgebracht durch die offen 
sichtliche Renitenz. „Ich habe die Beweise!“ 
Und mit ausgestrecktem Arm in eine vage Richtung
	        

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