Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

44 
gegeben. Aber alles in allem ein Monaco und Monte 
Carlo im kleinen. 
Flametti fühlte sich frei wie ein Fürst. Aller Hader 
fiel von ihm ab. Aller Kleinmut verliess ihn. Hier 
kannte er jeden Weg, jeden Steg; jede Kneipe, jede 
Latrine. Hier war der Felsen, hier musste gesprungen 
werden. Hier fielen die Würfel, hier war man zu Hause. 
Vorbei am Alteisengeschäft des Herrn Ruppel und 
an der ,Drachenburg'; vorbei an der Fischhandlung 
,Teut' mit ihren Riesenaquarien voll stumpfsinniger 
Hechte und Karpfen, vorbei an ,Hähnleins Kleider 
bazar' und ,Lichtlis Frisiersalon'; vorbei am ,Oliven 
baum' und an der ,Tulpenblüte', schwenkte Flametti 
in die Hauptverkehrsader der Fuchsweide, die buck 
lige Quellenstrasse ein. 
Er verlangsamte seine Schritte und klimperte, über 
legend, mit dem Geld in der Tasche. Er schnupperte 
in der Luft, die nach Kaffee roch und zündete sich 
eine Zigarette an. 
Hier war der Korso! Hier war der Betrieb! Es wei 
tete sich seine Brust und er atmete auf. Kein Gesicht, 
das er nicht kannte. Kein Laden, mit dessen Jnhaber 
er nicht schon Tausch und Geschäfte hatte. 
Auf dem ,Mönchsplatz' sassen die Katzen und putz 
ten sich in der Sonne. Es war eine Unmenge Katzen, 
graue, schwarze und rote. Aber es war Platz genug 
für sie da. Nachts sangen sie hoch auf den Dächern. 
Auf dem ,Mönchsplatz' lärmten die Kinder. Sie 
putzten einander die Nasen, banden einander die Hosen 
zu, säuberten sich die Köpfe. Aber um jeden Kopf 
legte die Sonne eine kleine Gloriole.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.