Full text: Flametti oder vom Dandysmus der Armen

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Der Auerhahn trug die Fischkarte mit beigedruckten 
Preisen um den Hals gehängt. Die Gebirgsgemse flet 
schte die Zähne, ganz unnötigerweise, und sah todes 
mutig gen Himmel, ein Symbol ihrer Heimat. Auf dem 
Sockel aus Felsen und Moos lagen zerstreut die Haare, 
die sie gelassen hatte im Kampf mit der Scheuerbürste 
des Hausknechts. 
Flametti trat ein und überflog mit einem Adlerblick 
die drei Gäste, die hier versammelt waren. 
Verflucht nochmal! In der Ecke sass Kranemann! 
Kranemann, das Moskitogesicht; Kranemann, die ge 
schniegelte Niedertracht und Korrektheit; Kranemann, 
Flamettis erbittertster Feind. Das war nicht vorauszu 
sehen. 
Einen Moment überlegte Flametti. Sollte er um 
kehren? Sollte er tun, als habe er sich im Lokal geirrt? 
Sollte er an den Hut fassen und grüssen: „Salü! 
Komme später“? 
Da stand aber Kranemann schon auf, kam auf ihn 
zu, wie von ungefähr, und sagte: „Ah, Flametti! — 
was ist mit der Quittung? Wann wird sie eingelöst? 
Höchster Termin!“ 
„Hoi, hoi, hoi!“ bockte der und trat einen Schritt 
zurück. „Nur langsam! Lass erst mal absitzen, dami 
scher Kerl!“ Und beschloss jetzt, zu bleiben. 
„Nix da!“ rief Kranemann und fasste ihn leicht 
beim Kragen, „heut ist der letzte Termin! Zahlen!“ 
und warf ein Zwanzig-Centimes-Stück auf den Tisch. 
Und wieder zu Flametti: „Den ,damischen KerF 
werden wir uns merken. Wir sprechen uns noch!“ 
Schob seine Röllchen zurück und verschwand.
	        
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