Full text: Die Flucht aus der Zeit

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Das Wort und das Bild. 
* 
Dann antwortet der andere: ,Ich würde nicht mehr an eine 
göttliche Vorsehung glauben. Es bliebe nichts übrig als der bru 
talste Klassenkampf/ 
Es ist nur ein Lärm. Ob mit Kanonen oder mit Debatten, das 
ist ja kein großer Unterschied. 
* 
5. XI. Frank las mir im Hotel aus seinem Bürgerroman vor. Den 
„Todessprung im Zirkus“, das vorhergehende Bohemekapitel und 
die Gewissensqual des Beamten Jürgen. Im Bohemekapitel zum 
Dichter Vorlang habe ich Modell gestanden als ,Expressionist'. 
* 
Das Verbrennen der Individuen vor dem schwarzen Hinter 
grund. Große Desperationen, Hymnen, Vorhänge aus Feuer und 
übernatürliche Todesschreie. 
* 
Von den zwanzig deutschen Genies, an die ich schon 1914 
nicht glauben wollte, wird man mich auch 1916 nicht überzeugen 
können. Aber der Herausgeber weiß sie aufzuzählen und wir 
debattieren täglich ihre Vorzüge und Schwächen. 
*• 
7. XI. Nur von der unbedingten Aufrichtigkeit, selbst wenn sie ins 
eigene Fleisch schnitte, ist etwas zu hoffen. F. spricht soviel 
von Lüge. Worin es wohl bei ihm selber nicht stimmen mag? 
Weshalb er wohl eben dies Wort so gerne gebraucht? Antwort: 
Die Überschätzung erlittener Unbill verleitet zur Tartüfferie. Er 
überschätzt einige verdrießliche Jugenderlebnisse. Er hat sich 
daraus eine ,Ursache' konstruiert und scheint, wider Wissen, 
wenig geneigt, diesen Ausgangspunkt zu quittieren.
	        

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