Full text: Die Flucht aus der Zeit

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Das Wort und das Bild. 
ist Selbstzweck geworden. Das Nervensystem erschöpft alle 
Schwingungen des Klanges, vielleicht auch alle verborgene Emo 
tion des Gongschlägers und läßt sie Bild werden. Hier im be 
sonderen Falle genügte eine poetische Lautfolge, um jeder der 
einzelnen Wortpartikel zum sonderbarsten, sichtbaren Leben am 
hundertfach gegliederten Körper der Tänzerin zu verhelfen. Aus 
einem „Gesang der Flugfische und Seepferdchen“ wurde ein Tanz 
voller Spitzen und Gräten, voll flirrender Sonne und von schnei 
dender Schärfe. 
* 
30. III. Die neuere Kunst ist sympathisch, weil sie in einer Zeit der 
totalen Zerrissenheit den Willen zum Bilde bewahrt hat; weil 
sie das Bild zu erzwingen geneigt ist, wie sehr sich die Mittel 
und Teile einander bekämpfen mögen. Die Konvention triumphiert 
in der moralischen Bewertung der Teile und Einzelheiten; die 
Kunst kann sich daran nicht kehren. Sie dringt auf den inne 
wohnenden, allesverbindenden Lebensnerv; der äußere Wider 
spruch stört sie nicht. Man könnte auch sagen: die Moral wird 
der Konvention entzogen und auf die alleinige Schärfung des 
Sinnes für Maß und Gewicht verwandt. 
* 
Den Rock der Dandysten und Dadaisten tragen: jenen nämlich, 
den Karl von Orleans trug, auf dessen Ärmel die Verse eines 
Liedes gestickt waren, das anfing: ,Madame, je suis tout joyeuxk 
Die Begleitung war in goldenen Fäden ausgeführt, während jede 
der damals viereckigen Noten vier Perlen trug. 
* 
Der Tanz als eine Kunst des nächsten und des direktesten 
Materials steht der Kunst des Tätowierens und allen primitiven
	        

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