Full text: Die Flucht aus der Zeit

Das Wort und das Bild. 
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Gestern mein Vortrag über Kandinsky; ich habe einen alten 8. IV. 
Lieblingsplan verwirklicht. Die Gesamtkunst: Bilder, Musik, 
Tänze, Verse — hier haben wir sie nun. Coray möchte den Vor 
trag zusammen mit einem Vortrag von Neitzel und einigen Re 
produktionen drucken lassen. 
* 
Die Maler als Sachwalter der vita contemplativa. Als Ver 
künder der übernatürlichen Zeichensprache. Rückwirkung auf die 
Bildgebung auch der Dichter. Die symbolische Ansicht der Dinge 
ist eine Folge der langen Versenkung in Bilder. Ist die Zeichen 
sprache die eigentliche Paradiesessprache? Die persönlichen Pa 
radiese —: mag sein, daß sie Irrtümer sind; aber sie werden 
die Idee des Paradieses, das Urbild neu färben. 
* 
Arp und Sophie Täuber nach Ascona. 
* 
Vorbereitungen zur II. Soiree. Mit fünf Laban-Damen als 10. IV. 
Negressen in langen schwarzen Kaftans und Gesichtsmasken stu 
diere ich einen neuen Tanz ein. Die Bewegungen sind sym 
metrisch, der Rhythmus stark betont, die Mimik von ausgesuchter, 
krüppelhafter Häßlichkeit. 
Das Gewissen für die Schönheit ist zuerst. Wie kann man 
sie retten? Die Häßlichkeit erweckt das Gewissen und führt 
schließlich zur Erkenntnis — der eigenen Häßlichkeit. 
Der Ästhet braucht die Häßlichkeit als Kontrast. Der Moralist 
sucht sie aufzuheben. Gibt es eine helfende, heilende Schönheit? 
Etwa nach dem Grundsatz: alles soll schön sein, nicht nur das 
Ich? Wie kann man den Ästheten mit dem Moralisten in Ein 
klang bringen?
	        

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