Full text: Die Flucht aus der Zeit

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Von Gottes- und Menschenrechten. 
sie außen erwirken und könnten noch immer eine der ersten 
Nationen sein. 
* 
12. VII. Merkwürdig, daß keine Sozialisten in der Emigration zu 
finden sind, oder doch keine namhaften Sozialisten. Die aktu 
elle Rechtsfrage interessiert sie kaum; sie hängen im Geschiebe 
der Katastrophentheorie und ihrer Partei. Der Utopie stehen sie 
feindselig gegenüber, und es wäre ja die Utopie aller Utopien, 
sich im Ausland aufzuhalten, während in absehbarer Zeit in 
Deutschland Ämter verteilt werden. Von dem Juristenzirkel in 
Bern zu den revolutionären Sozialisten in Berlin besteht kaum 
eine Verbindung. Innen- und Außenpolitik sind völlig isoliert; nie 
mand empfindet auch nur ein Bedürfnis, sich zu verständigen, 
* 
17. VII. Die Autorität ist nur asketisch zu garantieren. Mazzini in 
seinem Kampfe gegen die Theokratie, oder richtiger in seinen 
Bemühungen um den reformierten Gottesstaat, wollte dem Volke 
die Askese vindizieren. Sein edler Charakter war ein leuchtendes 
Beispiel dafür, wie er das Opfer in der Demokratie auffaßte. Eine 
Volkstheokratie schwebte ihm vor, und es gab vielleicht im da 
maligen Italien einen Boden dafür. Bakunin mit seinem Einwand, 
daß man das Elend nicht beseitigen könne, indem man es ver 
ewige, wird dem mazzinistischen Gedanken nicht ganz ge 
recht; er deckt nur den Widerspruch auf. Mazzini war, gleich 
Plato, der Meinung, daß eine besitzlose Klasse zu herrschen 
habe, aber — und dies im denkbar schärfsten Gegensatz ,zu 
Plato — er übertrug nun auf das Volk all seine ursprünglich wohl 
auf den Klerus gesetzten Hoffnungen. Eine besitzlose Klasse als 
Souverän, das ist eine große Idee. Der Souverän braucht ja nicht 
gerade die Staatsgeschäfte zu führen; es könnte genügen, daß er 
sie kontrolliert. Voraussetzung dieses mazzinistischen Gedankens
	        

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