Full text: Die Flucht aus der Zeit

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Von Gottes- und Menschenrechten. 
mögliches Faktum, daß es in solchem Staate eine allgemeine 
Dienstpflicht gibt. Geradezu ungeheuerlich aber ist ein Militär 
zwang von seiten eines Staates, der nicht nur keine Kirchen-, 
sondern nicht einmal die Menschenrechte anerkennt.) 
* 
28. 11. Die Abende verbringe ich jetzt gewöhnlich mit Emmy in ihrem 
Marzilli-Stübchen. Sie erzählt oder liest mir dann aus der Fran 
ziskus-Biographie des Thomas a Celano, aus Thomas a Kempis 
oder aus Anna Katharina. Sie gibt sich soviel Mühe mit mir. 
Das „Bittere Leiden unseres Herrn“ habe ich von ihr ausgeliehen 
und flüchtig hineingesehen. Sogleich fiel mir ein Satz auf, der 
mir vom ganzen Buche den höchsten Begriff gibt und den ich 
wieder und wieder gelesen. Er steht S. 42 jener Ausgabe. ,Alles 
dieses', so heißt es dort, ,geschah in wunderbarer Ordnung und 
Feierlichkeit und war sinnbildlich und leuchtend und bald voll 
endet; und das in einer Intention Gebrachte oder Gepflanzte 
folgt der Intention ganz lebendig nach und breitet sich aus nach 
seiner Bestimmung.' (Sie sagt es, ohne jeden Akzent, von einem 
Begebnis, das sie in der Extase Brentano erzählt.) 
* 
Schwieriger noch, als dieser Zeit Widerstand zu leisten, ist 
es, sich nicht mit ihr zu beschäftigen. Wo sie uns noch zu be 
rühren vermag, dort sind wir noch immer mit ihr verbunden. 
Es ist die Strafe für unseren Intellekt und ein Zeichen dafür, daß 
die Fäulnis teil an uns hat. Die Reinheit, die wir erstreben, ist 
vielleicht nur eine Sehnsucht, und diese ein Zeichen unserer Ver 
flochtenheit in den Untergang. 
* 
1. III. Zwei seltsame Bücher. Nummer 1: Ein kabbalistisches Zeichen 
buch mit dämonologischen Abbildungen. Teufel, die eine ab-
	        
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