Full text: Die Flucht aus der Zeit

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Von Gottes- und Menschenrechten. 
wird sie, die dieses Buch geschrieben hat, über die vielen ihr 
ähnlichen hinausgehoben, weil das Urmenschliche in ihren von 
Mitleid zärtlichen Händen aufglüht wie ein roter Rubin, neben 
dem alles andere in graue Asche zerfällt/ Das Buch ist stilistisch 
ein ununterbrochenes Feilen und Nagen an Eisengittern. Es kennt 
keine Kapitulation und keinen Kompromiß. Es ist unerschütter 
lich in einer exakten Redlichkeit. 
• * 
„O Herr, mein ganzer Glaube, die ganze Sehnsucht meines 
Daseins ist heute eines gewaltsamen Todes gestorben..“ 
„Heute habe ich Dich gezeugt..“ 
* 
11. VI. Emmy bereitet ein neues Buch vor. Die ersten sechzig Seiten 
sind bereits da und ich habe sie durchgelesen. Auch dieses Buch 
wird ein Zeichen der Zeit sein. Der Beginn, wo eine kleine 
Schauspielertruppe sich auflöst und in alle vier Winde auseinander 
stiebt; das fruchtlose Gebet im Dom, der Hunger, die Entehrung: 
was ist das alles, wenn nicht die Verlassenheit? Dann aber: der 
Himmel zerteilt sich und zärtlich gehen die Sterne auf. Ein Vogel 
singt im Frühreif ... es pfeift so weiß. Ein Kind geht durch 
die Nacht und weint... Ein Lichtfall über das Kind! Ein Lächeln 
über das singende Kind! Die Seele will aufstehen aus Moder 
und Weh ... 
* 
17. VI. Auch ich habe mit den Studien zu einem neuen Buch begonnen. 
Ein Werk von Prof. Karl Seil („Die Religion unserer Klassiker“, 
Tübingen 1910) ist mir willkommen, weil ich empfinde, daß dies 
bezüglich in meiner „Kritik“ eine Lücke geblieben ist. 
Die Klassiker lassen von den christlichen Grunddogmen (ob 
jektive göttliche Wahrheit, Dreifaltigkeit, Gottheit Christi; Ver-
	        
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