Full text: Die Flucht aus der Zeit

Die Flucht zum Grunde. 
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Solange der Staat die überlegene Autorität einer unfehlbaren 23. VII. 
Kirche nicht anerkennt und seine Bürger nicht nötigt, solcher 
Kirche anzugehören oder das Land zu verlassen, solange muß 
man mit einem latenten Zustand der Rebellion rechnen; denn 
es ist nicht einzusehen, weshalb die Gesamtheit solle gegen die 
geistige Autorität rebellieren dürfen, der einzelne aber nicht gegen 
den Generalverband der Interessen. 
* 
Die Freiheit in ihrer deutschen Formulierung: darin war ich ein 
mal sehr deutsch. Meinen recht unbändigen, an den letzten Beispie 
len geschärften Eigenwillen hat kaum jemand überboten. Er ging 
politisch bis zur Anarchie und künstlerisch bis zum Dadaismus, der 
eigentlich meine Gründung, oder besser gesagt, mein Gelächter 
war. Die moralische Atmosphäre der Schweiz, die ich oftmals 
sehr drückend empfand, diese Atmosphäre hat mir im ganzen 
doch gutgetan. Ich lernte die Auflösungssymptome und ihre Her 
kunft verstehen; ich begriff, daß die ganze, ringsum ins Nichts 
zerstäubende Welt als Ergänzung nach der Magie schrie; nach 
dem Worte als einem Siegel und letzten Kernpunkt des Lebens. 
Vielleicht vermag man einmal, wenn die Akten geschlossen sind, 
meinem Bemühen um Wesen und Widerstand einige Zustimmung 
nicht zu versagen. 
ö * 
Was mich an der Patristik (nach Bäumker) besonders inter- 31. VII. 
essiert, ist 
1. ihre summarische Diskussion der antiken Philosophie, ins 
besondere des Platonismus. Mein Empfinden bekennt sich dabei 
zur Partei jener strengsten unter den Vätern, die der antiken 
Philosophie skeptisch, ja ablehnend gegenüberstanden. 
Athenagoras findet, die alten Philosophen hätten wohl die 
Einheit Gottes geahnt; aber dann seien sie Widersprüchen
	        

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