Full text: Die Flucht aus der Zeit

Die Flucht zum Grunde. 
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Zeiten haben eine merkwürdige Ähnlichkeit. Wir empfinden heute 
die Akademie nicht anders als Tertullian und Antonius Abbas 
sie mögen empfunden haben. Seitdem der Banause nacheinander 
Dichter und Philosoph, Rebell und Dandy geworden ist, gebietet 
der Takt, ihm die freiwillige Armut, die rigoroseste Abstinenz, 
wenn nicht die gewollte Verschollenheit, in der er das höchste 
der Wunder sähe, entgegenzusetzen. 
* 
Der Sozialist, der Ästhet, der Mönch: alle drei sind sich 
darüber einig, daß die moderne bürgerliche Bildung dem Unter 
gang zu überantworten sei. Das neue Ideal wird von allen dreien 
seine neuen Elemente nehmen. 
* 
Nach Chrysostomus dürfen Händler die Kirche nicht betreten. 7. I. 
Nach Laktanz kann ein frommer Christ weder Soldat, Gelehrter, 
noch Kaufmann sein. Es gab keinen Händler oder Mathematiker, 
der selig gesprochen wurde. Man kann der Kirche nicht vor 
werfen, daß sie den Mann, der das Pulver erfand oder den, 
der das Einmaleins aufbrachte, zur Ehre des Altares erhob. 
* 
Der Künstler erlebt die Häßlichkeit, der Philosoph die Lüge; 
der Moralist hat es mit der Verderbnis, der Heilige mit dem 
Satan zu tun. 
* 
Es gibt Menschen, die sich beständig mit dem Todesproblem 22. II. 
beschäftigen. In kriegerischen und aufständigen Zeiten, wo alles 
Leben unsicher geworden ist, liegt solche Beschäftigung nahe. 
Solchen Zeiten kann man wieder sagen, daß der Mönch ein Mann 
ist, der sich mit dem Tode so sehr befaßt, daß er ihn in seinem
	        

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