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aufgeklebte Sand, die Holzstücke, die Haare geben ihm
denselben Rang der Wirklichkeit, die ein Götzenbild des
Moloch hat, in dessen glühende Arme man die Kinds
opfer legt. Das neue Material ist der Weg von der
Sehnsucht zur Realität der kleinen Dinge, wobei der
Weg abstrakter Natur ist. Die Abstraktion (das haben
Tzara und Genossen immer hartnäckig verkannt) ist seiner
Funktion nach eine Richtung, kein Ziel. Eine Hose ist
ja am Ende auch wichtiger als das feierliche Gefühl, das
wir in die Höhe eines gotischen Domes verlegen, „wenn
er uns umpfängt“.
Daß der Dadaismus sich also gerade dieser drei Prin
zipien, des Bruitismus, der Simultaneität und des neuen
Materials in der Malerei bemächtigte, ist natürlich der
„Zufall“, der uns auf die psychologischen Fakta führt,
von denen die wirkliche dadaistische Bewegung dann
existiert. Wie schon wiederholt angedeutet wurde, sehe
ich in dem Dadaismus Tzaras und seiner Freunde, die
die abstrakte Kunst zum Angelpunkt ihrer neuen Er
kenntnis machten, keine neue Idee, die darauf Anspruch
machen kann, mit Energie propagiert zu werden. Sie
sind auf dem abstrakten Wege stehen geblieben, der
am Ende vor die Bildfläche zur Realität eines Postzettels
führt. Sie sehen hinter sich, wo sie den alt-sentimen
talen Standpunkt gerade verlassen haben und werden doch
von ihrem Ehrgeiz weitergetrieben. Sie sind nichts Halbes
und nichts Ganzes, ln Deutschland ist der Dadaismus
zu einer politischen Angelegenheit geworden, er hat
die letzte Konsequenz gezogen und hat auf die Kunst
ganz verzichtet. Es wäre übrigens undankbar, wenn wir
uns von Tzara ohne ein Lüften der Kopfbedeckung ver
abschieden wollten. Ich halte in meiner Hand „Dada-
phone“, eine Publikation, die von den Pariser Dadaisten
kürzlich herausgegeben worden ist. Es enthält die Photo
graphien der Präsidenten des Entente-Dadaismus. Andre
Breton, Louis Aragon, Francis Picabia, Celine Arnauld,
Paul Eluard, G. Ribemont-Dessaignes, Philippe Soupault,