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durchgegangen, wie hätte sie sonst so schnell das 
junge Mädchen gefunden haben können. Wie freute 
sich Auguste, daß das Mädchen nicht inzwischen 
verzogen oder gestorben war. Aber was sollte Au 
guste nun sagen? Jedenfalls wollte sie es dieses 
Mal geschickt anfangen. Auguste wußte, daß sie 
jetzt diplomatisch vorgehen mußte. Sonst würde 
sie nichts erfahren. Auguste wußte, daß sie ihre 
persönliche Autorität wahren mußte. Es kam ihr 
ein genialer Gedanke, wie ein Freier, und schoß 
durch ihren durchlöcherten Kopf. Und wie ein 
Querschläger blieb der Gedanke sitzen. Auguste 
fühlte, daß sie jetzt quasi vis-ä-vis der Ewigkeit 
stünde und schwieg deshalb. Auguste schwieg. 
„Was wünchen Sie?“ fragte das junge Mädchen. 
Frl. Dr. Auguste wahrte ihre persönliche Autori 
tät und schwieg. „Womit kann ich Ihnen dienen?“ 
fragte das Mädchen weiter. Frl. Dr. Auguste 
schwieg. „Was wollen Sie denn hier?“ — Auguste 
wußte ihre persönliche Autorität zu wahren. Jetzt 
begann das junge Mädchen ihr ins Ohr zu brüllen, 
was sie eigentlich wollte. Frl. Dr. Leb war ja gar 
nicht taub, nur zuweilen Persönlichkeit, nichts 
weiter. Aber Frl. Dr. Auguste erregte sich über 
diese Behandlung gegen eine Persönlichkeit, wenn 
sie auch einige Genugtuung darüber empfand, daß 
sie so großen Eindruck machte. Gegen Persön 
lichkeiten pflegt nämlich ein sittsamer Mensch 
ruhig, freundlich und leise zu sein. Ertauben Per 
sönlichkeiten aber, so können sie sowieso nichts 
hören. Man legt den Finger auf den Mund und 
sagt ehrfürchtig: „Da steht sie, die Persönlichkeit. 
Sie sagt keinen Ton. Hört ihr, wie sie.schweigt?“ 
Und mit einem Male schlug das Mädchen die 
Tür zu.
	        
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