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beißen. Das war ein großes Glück, denn sonst 
ständen die zwei Frauen immer noch in* Treppen 
hause. 
Plötzlich ging Frl. Dr. Auguste in die Woh 
nung, als ob sie hineingehörte und forderte das 
junge Mädchen freundlich auf, ihr zu folgen und 
bitte Platz zu nehmen. Frl. Dr. Auguste war eine 
Autorität. Deshalb folgte ihr das junge Mädchen. 
„Setzen Sie sich“, sagte darauf die Autoritätsper 
son zu dem jugendlichen Mädchen. „Wie heißen 
Sie?“ — „Anna.“ — „Und der Nachname!“ — 
„Sündig.“ — „Und welche Vornamen haben Ihnen 
Ihre lieben Eltern noch gegeben?“ — „Louise, Eiler- 
dine.“ — „Ist Anna der Rufname!“ — „Ja.“ — 
„Wie alt sind Sie, Anna Sündig!“ — „Siebenund 
dreißig Jahre.“ — „Noch so jung?“ — „Jawohl.“ — 
„Militärische Verwendbarkeit ?“— „G. v. Heimat,.“* 
— „Militärmaß?“ — „194 cm hoch.“ — „Gewicht?“ 
— „Schlank.“ — „Woran leiden Sie?“ — „Ich leide 
am Herzen.“ — „Militärischer Grad?“ — „Schief, 
nicht grade.“ — „Civilstellung?“ — „Hühneraugen 
masseuse.“ — „Ledig?“ — „Gewissermaßen.“ — 
„Können Sie kochen ?“ — „Für den Hausgebrauch.“ 
— „Dann kochen Sie uns eine starke Tasse Tee.“ 
— Das junge Mädchen setzte Wasser auf Gas. In 
zwischen, als das junge Mädchen draußen war, 
dachte Frl. Dr. Auguste. 
„Dachte**sind keine Lichte“, sagte schon meine 
Großmutter. Frl. Dr. Auguste dachte aber bei sich, 
daß sie auf diese Weise nichts erfahren würde. 
D. h. sie erfuhr allerhand, aber nicht, was sie wissen 
wollte. Ungewöhnliche Begebenheiten hatten sich 
ereignet, und Frl. Dr. Auguste wußte zwar daß, 
* ältere Lesart: Heirat. 
** provinzieller Ausdruck für: Dochte.
	        

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