Full text: 1914-1916 (1914-1916)

als der Tod ist das -Leben. Aber besser als das Leben 
ist Geist und Person. Am besten ist die Liebe! Wie köstlich und 
groß das Geschenk des Lebens ist, fleht die Seele erst, wenn sie es 
auf dem Hintergrund des Todes anschaut. Auf dem Meere seines 
Schweigens fangt das Leben an, voll und süß zu klingen; auf 
dem Grunde seiner flacht wird es plastisch und farbig. Vom 
Leben aus ist das Leben so unsichtbar und wertlos wie die Sterne 
am Tage. Der gute Soldat, das sichtbare Leben und der Tod — 
die gehören zusammen! Der gute Soldat „will" nicht leben; dieser 
Wille macht Angst. Der gute Soldat „will" nicht sterben. Das 
wollen nur einige Verzweifelte des Lebens, die den Rrieg zur Rolle 
eines günstigen Bildes von ihrem Abgang mißbrauchen. Der gute 
Soldat „gibt" in einem inneren Akte fein Leben „hin", wenn er 
ins Feld zieht; er „schenkt" sein Leben Gott, daß er damit das 
Seinige beginne. Vlun hat Gott ganz fein Leben und er ist ganz 
Person geworden. Jede Sekunde, die er vom Augenblicke dieser 
inneren Abdikation noch lebt, ist ein herrliches Geschenk von Gott. 
Das Leben hat ihn nicht mehr; darum hat er das Leben. In 
diesem Akte des „Wagens", des „Dahingebens" des Lebens entrinnt 
er dem Tod, empfängt er das Leben, das ihn im Frieden nur dahin 
trieb ; dahintrieb wie die Peitsche des Fuhrmanns die Pferde. Die 
Rugel, die trifft, kann ihm nichts nehmen, was er nicht schon 
gegeben hatte. Aber die Rugel, die ihn streift, ist ein Engel Gottes, 
der ihm ein Leben schenkt, das er nie befaß, da es ihn befaß. 
Wen Liebe fein Leben also „wagen" ließ, gewinnt das Leben 
und hat es fürderhin im Besitz. Der „Friede", der nur Nichtkrieg ist, 
kennt nur das Leben, das der Nichttod ist. Vom positiven „Leben" 
sieht er nichts. Lebensgüter verdecken ihm den Umriß des Lebens 
selbst. Der Friede „rechnet" mit dem Tode; er sieht ihn nicht. 
Darum ist der Friede irreligiös und weiß nichts vom Fortleben der 
Person über den Tod hinaus. Er „glaubt" es höchstens; aber das 
Mffenbarwerden des Fortlebens, das diesen „Glauben" deckt, fehlt 
seiner Einstellung. „Tod" ist ihm Schranke, nicht Grenze; Wand, 
nicht Aussicht. Darum sieht der Friede nichts von einem Sein, 
nichts von einem unendlichen Wirkenkönnen der Person über den
	        
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