Full text: 1914-1916 (1914-1916)

sein können. Es selbst, dieses Sein und Schönsein im Fortwirken 
ist der wahre Ruhm. Wer ihn hat, wird nicht mit ihm gekrönt 
und bekränzt und geschmückt durch Um- und Fachwelt: Er schmückt 
und kränzt sich selbst in edler Tat. Er schlägt sein Bild Ln ein 
dauerhafteres Element als in menschliche Meinung und Schatzung: 
in das plastische Element historischen Wirkens selbst, das geheimnis 
voll den Rern seiner Existenz weiter tragt — auch ungesehen. 
Beim Ruhme hängt Wert und Weiterwirken nicht mehr ab 
von dem Verhalten, der Schatzung, der Ehrung Anderer: Hier 
hängt umgekehrt der Wert, die Schatzbarkeit der Anderen, der Um- 
und Nachwelt davon ab, daß sie den ehren, der sich mit Ruhm 
bedeckt hat, der irdische Unsterblichkeit errang. So ist der Ruhm 
ganz still und geräuschlos; aber größer und herrlicher als die Ehre, 
die stets ein wenig klappert. Ehre bringen uns die Andern; wir 
können uns nicht „mit Ehre bedecken". Aber wir können uns bedecken 
mit Ruhm, auch als verlorener ungekanncer Posten Ln der Schlacht. 
Im Sehnen nach dem Ruhme, da beginnt sich leise und unmerklich 
unser geistiges Antlitz abzuwenden vom Irdischen und sich nach 
einem Eben, wie nach Sternen zu kehren. Darum beginnt hier 
zuerst der Durchbruch des Erlebens durch die Schranken und die 
Angst des Irdischen und der Anbruch des Ewigen -Lebens und 
seine innere Aufnahme im Vorgeschmack beginnen miteinander 
Fühlung zu nehmen. Also ist der Ruhm die Vorstufe, das Eingangs 
tor in das höhere, das geistige Fortleben der Person selbst — ein 
wunderbares Mittelding zwischen wahrhafter Fortexistenz und 
menschlicher Erinnerung. 
Max Scheler
	        
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