Full text: 1914-1916 (1914-1916)

U0 Pferderücken stießt (wie von Tannen 
Der Frühlingsschweiß), halb sickernd, halb starr 
Ein Wundensaft über Felle von dannen, 
Und Eitermasse verklebt das Haar. 
Im Bogen schießt aus Flanken und Lungen 
Der Rosse Mutwill — fruchtrotes Blut. 
Was ging hier vor.. .7 Tierglaube, zersprungen, 
Versank wie Scherben Ln dunkler Flut. 
Des Reiters Sporen und eiserne Zaumung, 
Statt ihnen Lehre und Warnung zu sein, 
Verhießen keinem todletzte Baumung, 
Ermattungsfieber und Hungers Pein. 
Verwirrten Ohren klang früh von Signalen 
Die Melodie des Angriffs... Trotz Schwellung 
Der Sprunggelenke, trotz Satteldrucksqualen 
Versammelten sich die Guten zur Stellung. 
Sie lockerten das Gebiß mit der Zunge 
Und hoben auf taufend Fesseln sich steil, 
Sie öffneten groß die Lungen zum Sprunge, 
Als ging's zur Paarung frühjahrlich geil. 
Noch schmeckt das Zaumzeug wie sonst... Und ein Brothauch 
Aus Pferdemündern süßwarm entwich. 
Dann spießte sich Eisen kalt in den Rotbauch 
Und trostlos — Tierleins Seele entschlich ... 
Den Mageren, Rranken, mit überstreckten 
Gliedern, üppig allein bleibt der Schweif... 
Die Augen sehen, wie bei Erschreckten, 
Aus Faltenlidern bekümmert und steif. 
Wie Menschen sind sie ins Leben gestellt, 
Wo sie, erstaunt auf zerlaufenen Füßen, 
Daß man ums Paradies sie geprellt 
Wie Menschen (nur schweigend) erkennen müssen. 
Mechtild Lichnowsky
	        
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