Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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auf jene warten, die nach ihnen kommen werden, die die Guten und wahren 
sind ... wir müssen warten ... bis alles ruhig wird .. 
Er schloß die Augen und wartete, wie es ihm schien, an die tausend Jahre. 
Dann neigte er sich wieder zögernd und besorgt über das Instrument. 
„ttun schauen Sie hin!" rief er vor Aufregung bebend dem Steinmenschen 
zu. „Sie leben wieder und bewegen sich ... Mit Bohrern und Meißeln bohren 
und zermeißeln sie die Erde. Jetzt haben sie den Blitz eingefangen und reiten 
auf ihm ... Sie erklimmen die Berge und schauen uns kühn ins Angesicht... 
und jetzt! ... Oh ... sie haben Flügel... wollen diese entfalten ... Es gelang 
nicht ... doch ... doch ... einer erhob sich bereits in die Lüfte ... ein zweiter 
folgt ihm ... Triumph! ... Triumph!... Ein ganzes Heer erhebt sich ... gen 
Himmel... sie fliegen! Verlassen die Erde! Dort! Dort, über den Gipfeln der 
Alpen schweben sie ... Gebrochen sind die Fesseln des Steines! ... Es lebt ... 
es bewegt ... es fliegt das Leben ... trotzdem ... trotz all dem ..." 
Die emporquellenden Worte wollten ihn ersticken, da fühlte er, wie sich 
ihm die eiskalte Hand des Steinmenschen auf die Stirne legte. 
„Nur Ruhe," sagte der Steinmensch, „warten Sie doch wenige Minuten 
ab. Vielleicht werden sie doch nicht gen Himmel fliegen. Ich kenne sie besser..." 
Der Mann wollte antworten, vermochte es aber nicht, denn feine Rehle war 
zusammengeschnürt ... noch immer schraubte er krampfhaft am Mikroskop ... 
Blauer Himmel rauchte vor ihm auf, tief unten die Gipfel der Berge. 
Dazwischen hoben sich in regelmäßigen Reihen die Luftschiffe und strebten in 
sicherem Flug nach Norden... Er ließ seine Blicke den Dahinfliegenden folgen... 
und sah, wie sich vom fernen Horizont ein zweites Luftgeschwader abhob ... 
Die Flieger kamen einander näher, kaum fünf bis sechs Rilometer trennen sie... 
schon sieht man die bemüyten Köpfe der Piloten ... da dröhnt jählings Donner 
auf... Ein Flugzeug der feindlichen Flotte stürzt nieder, schmettert, sich über 
schlagend, in die Tiefe. Die Flugzeuge geraten immer stärker aneinander und 
ringsum dröhnt zum Irrsinn treibendes Getöse. Der Reihe nach stürzen die 
Flugzeuge ab ... nach Minuten kämpfen ihrer nur noch zwanzig ... zehn ... 
fünf... nur ein einziges noch erhält sich in der Luft... dann ist es aus ... 
Still und ruhig leuchtet das blaue Himmelszelt... 
„Sehen Sie nun ein, daß der Stein die Steine zu sich nieder zieht?" 
Der Verwundete wollte nach Hilfe schreien. „Wasser!" so rief er. Doch 
bevor noch der Wärter herbeieilte, war sein Herz starr geworden. 
Friedrich Rarinthy 
(Einzig berechtigte Uedertragung aus dem Magyarischen von Stefan J. Rlein)
	        
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