Full text: 1914-1916 (1914-1916)

vom Frost der Zeit keineswegs schon ausgerottet sind, wo die geilen Triebe 
die schmarotzenden Gewächse vom großen Gärtner der Not keineswegs schon 
vernichtet sind, wo die Frühlingsstürme, die das Schwache brechen und das 
Gesunde prüfen, bis in die Tiefen des Volkes noch nicht gedrungen sind. Hoff 
nungen, schwellend wie junger Frühlingssaft, Hoffnungen auf ein neues Leben 
unseres Volkes in Glück und Größe — wer hätte sie nicht I Aber es ist noch 
nicht die Stunde, daß sie sich ungefährdet ans Licht der Wirklichkeit wagen 
dürften. Die Zeit neuen Blühens ist längst noch nicht da. Das Gebet an den 
deutschen Gott muß lauten: verschärfe noch die Prüfungen, damit der Ueber- 
mut nicht von neuem aufkomme, damit die edle und kühne Volkskraft an er 
zwungener Einfachheit von innen heraus gesunde! Plicht die starke junge 
Menschheit draußen im Felde braucht so zu beten; ihre Gebete sind Taten, 
sind Entbehrungen und alle Tugenden der Tapferkeit; aber die Heimgebliebenen 
sollten so denken. Die „Heilige Plot" hat sie noch nicht alle mit Götterarmen 
ergriffen. Sehr viele kennen die himmlischen Mächte nicht, weil sie in einem 
allzureichlichen täglichen Leben ihr Brot noch nicht mit Tränen gegessen haben, 
wie aber können die Deutschen zu Trägern einer vertieften europäischen Ge 
sittung werden, bevor sie alle das Antlitz des strengen Gottes gesehen, bevor 
sie im Herzen das donnernde „Du sollst!" des höchsten pfiichtgebots gehört 
haben! wir stehen nicht um Niederlagen, das können wir nicht, das wäre 
Unnatur; aber wir flehen um jene Herzensnot, die im widerstand die Schöpfer 
kraft erzeugt, die den willen zügelt und zusammenpreßt bis die Stunde erfüllt 
ist und die Lebenskraft, geprüft und gereinigt, in Taten sich entfaltet. Es 
gilt die Bedeutung des Wortes Opfer bis in seine letzten Tiefen zu ermessen. 
Die Millionen draußen lernen den Sinn des Wortes Tag um Tag, Stunde 
um Stunde, und die, deren Söhne, Gatten und Väter für das Land verbluten 
und verkrüppeln, wissen auch darum in ihren stillen Kammern und leeren 
Stuben; aber neben ihnen gehen viele Millionen noch dahin, ohne die Gewalt 
der Zeit bis in die letzte Faser zu fühlen. 
Sie eben sind es, die ungeduldig wieder neues Glück herbeisehnen, die da 
glauben, es sei schon genug und übergenug. Sie wissen nicht, worum es sich 
handelt und handeln muß, wenn dieser Krieg nicht der Markstein eines natio 
nalen Niederganges sein soll, wird nur bestätigt und befestigt was schon war, 
so sind wir, selbst im Sieg, besiegt. Aber eben weil der Genius unserer Rasse 
offenbar ein höheres Wachstum unseres Volkes will, weil er ein neues Verhält 
nis zum Göttlichen will, eine neue geistige Schöpferkraft und auch eine zweite 
politische Einigung, ein weltmächtiges Deutschland als beherrschendes Zentrum 
Europas, weil, wenn nicht alle Zeichen trügen, ein neuer herrlicher Frühling 
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