Full text: 1914-1916 (1914-1916)

US unstillbarem Verlangen nach der Stunde, wo dieser Riese, der 
Rrieg der andern, rasselnd zu Boden bricht und, nach einem 
Augenblick zauberhafter Verwandlung und Erneuerung, aufsteht 
als mein Rrieg um die Durchsetzung und den Umschwung, kann 
ich es nicht lassen, so knapp und zu einem geballt es nur geht, mit 
meinen Worten niederzuschreiben, was, so oder anders geformt, 
von jeher alle wissen und alle nicht wissen. Es gibt etwas, was jeder wissende 
weiß und kein Täter tut. Jetzt kommt die Zeit, wo die wissenden Täter werden 
sollen, auf daß sie denen, die ohne Gewissen oder gegen ihr allzu tief hinunter- 
gerutschtes wissen tun, das Handwerk abnehmen, um das Werk zu beginnen. 
Viele und mancherlei Reiche gibt es. Das Reich lebt nur im wissen derer, die 
der ewigen Stimme nicht taub fein wollen. Jetzt kommt die Zeit, wo konkret, 
politisch, ökonomisch gemacht und gebaut werden soll, was von je die Dichter 
zu Bildern gewirbelt, die Propheten begehrt und zur Schau gestellt haben. 
Jetzt ist die Zeit, wo das wirkliche sich als unmöglich herausstellt und wo das 
Unmögliche Wirklichkeit werden will. Ihr sagt und sagt nicht, ihr gesteht und 
gesteht nicht, aber wahrlich, ihr wisset alle: Diesem Rrieg der Reiege fehlt die 
Idee? Er hat eine Idee und er spricht sie aus mit alledem, was er ist: Ich 
bin der Rrieg der Rriege! Mein Name ist: Letzter Rrieg! Er ist der letzte 
Rrieg, wenn die heimlich wissenden öffentlich Sprechende und offen Bekennende 
und freiweg Beginnende werden. In vielerlei Formen soll jetzt Gestalt gewinnen, 
was der Sinn des einzigen Augenblicks sein wird, in dem der Rrieg sich tod 
matt hinlegt, um als neues zu erstehen und Lhaos zu Rosmos zu machen; mich 
will es dünken, es solle zu allererst nüchtern gesagt werden, will das wortlos 
Gewußte allendlich zur Tat werden, so darf es den harten Dingen der Welt 
wirklicher Beziehungen nicht länger mehr ausweichen; so muß es lernen, zugleich 
unbeugsam zu sein und allen Biegungen des geschichtlich Gewordenen sich um 
gestaltend anzupassen; so muß es in aller hohen würde der Idee sich bescheiden, 
ein Dasein zu führen. Der geistloseste aller Rriege, die je waren, wird darum 
mit der größten Begeisterung, die je war, geführt, weil der Geist es nicht mehr 
aushält, vom Leben getrennt zu sein. Jetzt kommt die Zeit, wenn dieser Rrieg 
zu Ende gegangen ist, wo der Geist ins Dasein treten will. So ist es, wenn die 
geborenen Führer der Völker wollen, daß es so sei, und groß und nüchtern 
ans Werk gehen. * # * 
*) 
Staat, Etat, Stand, Zustand ist nicht eine Oertlichkeit oder ein Landgebiet, 
sondern eine Art und weise. Die Interessen, die der Staat den Menschen 
*) Diese Stellen mußten auf Geheiß der Bayerischen RriegSministeriumS unveröffentlicht 
bleiben. lDie Red.)
	        
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