Full text: 1914-1916 (1914-1916)

') Vergl. Anmerkung. 
befriedigen soll, sind weder an Landesfürstentum (bei dem ursprünglich der Fürst 
Landesherr im wörtlichen Sinn, Eigentümer des gesamten Bodens ist) noch an 
Länderbeherrschung gebunden, sind überhaupt nicht lokal, sondern modal. Es 
ist die große Entdeckung oder Erfindung, die der Menschengeist der Natur 
hinzugefügt hat, daß es über den Räumen und Zeiten, über dem wo und wann 
noch die Modalität oder das wie gibt. Dem wo entspricht hier das Boden 
monopol; dem wann die geschichtlich gewordene autoritäre Gewalt; dem wie 
entspricht der Sinn, der Zweck und die Beziehung. Der Staat soll nicht mit 
Ländern und ihrer Beherrschung und Eroberung, sondern, da es sich schon 
längst nicht mehr um der Rultur gewonnenes, urbares Land inmitten der Wild 
nis, sondern um zivilisierte und in Sicherheit wohnende Menschen handelt, mit 
deren Verhältnissen und Zwecken zu tun haben. 
.) 
Die scheußliche Verwirrung, die in den Ländern mit gemischter Bevölkerung^ 
oder einem solchen Erdstrich wie dem Balkan von der Verkoppelung zwischen 
Nation und Staat hervorgebracht wurde, hört sofort auf, hört aber auch erst 
dann auf, wenn die öffentlichen Angelegenheiten jeder Nation nicht einem Staat 
abgetreten, sondern von der Nation selbst als Nation erledigt werden. Jede 
Nation kann dann so viele Schulen, Universitäten, Akademien, Theater und 
sonstige echt nationale Einrichtungen gründen, als sie durch ihren Zusammen 
schluß und ihre Beharrungs- und Expansionskraft eigens und lediglich für die 
Zwecke dieses Geist- und Sprachverbandes Mittel aufbringt. Und hinsichtlich 
des Geistes, der in den Schulen herrscht, der Methoden, nach denen unterrichtet 
wird, wird es innerhalb der Nation die größte Mannigfaltigkeit je nach Ge 
meinden, Gegenden und besonderen Schulgenossenschaften geben. So sehr der 
Nationalverein nach außen Ln Sachen seiner Zwecke wie eine einheitliche, un 
einnehmbare Festung wirken wird, so sehr wird er im Innern Selbständigkeit 
und mannigfaltige Gliederung aufweisen; und der Fall könnte sogar mehr als 
einmal vorkommen, daß einem Vater die Sprache nicht so wichtig ist wie der 
Geist, der sich in ihr ausdrückt, und daß zum Beispiel ein Tscheche sein Rind 
in eine deutsche Schule schickt oder umgekehrt. Für all solche Anschlüsse und 
Ausscheidungen wird im Zweckverband der Nation Freiheit herrschen, und 
zwischen Gemeinden, Genossenschaften und Narionalzentrale wird über das Ver 
hältnis von Zentralisation und Dezentralisation der Mittel eine freie Verstän 
digung erfolgen müssen. 
*) 
Auch die Wirtschaft soll vom Staat abgezweigt werden und soll sich um 
nichts kümmern als um die Wirtschaft, das heißt um die zweckmäßige und also
	        
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