Full text: 1914-1916 (1914-1916)

auch lustvolle Herstellung und den zweckmäßigen freien Tausch der menschlichen 
Bedürfnisse. Es wird sich dann bald genug zeigen, daß die Wirtschaftsgebiete 
auf Grund geographischer, geologischer, klimatischer, gewiß auch historisch er- 
wachsener, völkerphysiologischer und psychologischer Bedingungen abgeteilt 
werden müssen; daß aber die politisch-fiktiven Grenzen der Länder und die 
wirklichen Grenzen der Nationen nicht identisch sind mit den zweckmäßigen 
Grenzen bestimmter Wirtschaftseinheiten; und daß für die Herstellung wirtschaft- 
licher Ausgleichungen die militärische Gewalt das verkehrteste aller Mittel ist. 
Viele Betätigungen des Wirtschaftslebens, soweit sie nicht besser inter 
kommunalen und internationalen Körperschaften anvertraut sind, und die Reste 
die sonst noch von der Hinterlassenschaft des Staates fortzuführen sind, werden 
sich aufbauen auf dem Organismus der Gemeinde. Die Gemeinden werden alle 
Angelegenheiten, die nur sie selbst angehen und mit denen sie andern nicht im 
Wege sind, selbständig gemäß ihren Bräuchen und Einsichten verwalten. Für 
Gemeinsames und für die gegenseitige Anpassung werden sich über den Ge 
meinden weitere Verbände, Bezirke, Kreise, Provinzen u. s. w. erheben, wo 
man sich des Vertretungs- und Beamrensyftems bedienen muß, wird es sich 
immer um Delegationen handeln, die ununterbrochen mit ihren organisch ver 
bundenen und wachenden Auftraggebern in Verbindung sind und stets abberufen 
und ersetzt werden können. So sehr die Menschheit ein Ganzes ist, so sehr 
erfordert es die Freiheit und Mannigfaltigkeit, daß die großen Verbände nicht 
oben herrschen und lasten, sondern von unten wachsen und von unten ernährt 
werden. Die Menschheit muß im einzelnen Individuum, im paar, im Haus, 
im Dorf, im Sprengel, in der Gemeinde, im Amt Reim und wurzeln haben, 
um zur Gesamtheit des Volks und der Völkerbünde erblühen zu können. 
Für sehr viele Methoden des bisherigen Staats im Innern und nach außen 
ist kein Play mehr in einer Menschengesellschaft, die anfängt, die überlieferten 
Einrichtungen nach den Prinzipien von Sinn und Zweck umzugestalten. Aus 
der blinden und modrigen Höhle des woher heraus haben wir lange genug 
gelebt; licht und sehend wollen wir jetzt endlich nach dem wohin reisen: einem 
selbstbestimmten Ziele zu. was daraus wird, wenn man die sinnlos gewordenen 
Reste der Vergangenheit als Mächte des Verhängnisses walten und toben läßt, 
erleben wir schaudernd. Versuchen wir einmal, alles, was von hinten treibt, 
erst durch unsern Geist zu filtrieren, ehe wir es nach vorne weiter wirken lassen. 
Man hat gesagt und wir haben es erprobt, daß Kanonen und Flinten 
dazu da sind, um gebraucht zu werden. 
VTun denn: auch die Vernunft ist dazu da, um gebraucht zu werden. Laßt 
sie ans Werk! Und wartet lieber nicht zu lange damit; jedes Werkzeug, das 
nicht gebraucht wird, rostet; und die Vernunft hat es an sich, wenn man sie 
nicht übt, zu Dummheit und Wahnsinn zu werden. 
Feine, riefe, religiöse Menschen haben Angst vor der Vernunft und meinen, 
das sei ein Werkzeug der Analyse, der Zersetzung, der Negation; wir aber
	        

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