Full text: 1914-1916 (1914-1916)

an ist geneigt, Englands Mitwirkung bei dem großen 
Kriege einfach auf Böswilligkeit — besonders aufNeid — 
zurückzuführen. Das scheint mir vollkommen falsch zu 
sein; ein guter Geschäftsmann läßt sich nicht von Ge 
fühlen bestimmen; das wäre zu menschlich. England ist 
seit mindestens zehn Jahren von der Bedeutung der Unter 
seebote überzeugt. Und diese Ueberzeugung brachte die 
englischen Staatslenker dazu, Gegenmittel zu ergreifen. 
Und diese wurden nach und nach zum großen Krieg gegen Deutschland, der meines 
Erachtens nichts andres ist als ein Schritt der rabiat gewordenen Verzweiflung. 
Die Engländer — d. h. die lenkenden englischen Staatsleute — haben 
längst die ungeheure Bedeutung der unsichtbaren Feinde (eben der Untersee 
boote) eingesehen. Und die weitblickenden Staatslenker haben die einzig richtigen 
Folgerungen gezogen. Und diese Folgerungen sind eben ganz besonders die 
Erkenntnis, daß die Herrlichkeit der Seemächte eben zu Ende ist. 
Auf ihrer Insel oder auf ihren beiden Inseln sind die Bewohner, wenn 
die Zufuhr wegfällt, nicht mehr zu ernähren. Das wissen die englischen Staats 
lenker ganz genau; sie wissen auch, daß ihnen ihre ganze große Flotte den 
unsichtbaren Feinden (den Unterseebooten) gegenüber nicht fest bleiben kann. 
Deshalb haben die Engländer ihre riesengroßen Schiffe gebaut — nicht 
zum Kampfe, sondern nur als eine Bedrohung. Und — die andern Staaten 
sollten sich dazu verführen lassen, auch diese überflüssigen Riesenschiffe zu bauen. 
Deutschland hat das nicht in dem Maße getan, in dem es gewünscht wurde. 
England wollte, wenn es möglich wäre, was vom europäischen Festlande 
haben — Teile vom Kontinent schienen ihnen bald als Existenzbedingung. Solange 
die heute waltenden Staatslenker an der Regierung bleiben, werden die Kon 
tinentalziele wirksam bleiben. Es ist garnicht anders möglich; England ist eben 
viel zu klein für seine Bewohner; zwangsweise lassen sich die garnicht behandeln; 
am allerwenigsten sind die Bewohner in die Kolonien zu senden. 
So entstand also der rabiate Verzweiflungsschritt zum großen Kriege. 
Und da hat man sich denn doch verrechnet. 
Japan und die Vereinigten Staaten von Nordamerika sind in einer ähn 
lichen Lage wie England. Aber Nordamerika ist ein sehr großes Land und 
läßt sich sehr wohl anbauen. Die Vereinigten Staaten würden bei Verlust 
ihrer ganzen Flotte garnicht viel verlieren; die Amerikaner können jederzeit 
ein Volk werden, das seinen Acker bestellt und seine Viehherden vergrößert. 
Japan ist dagegen schon schwieriger gestellt; in China und Indien wird man 
japanischen Volksmassen nicht so leicht Zutritt gestatten; die Soldaten allein 
sind nicht zu ernähren; die Volksmassen müssen in erster Linie ernährt werden. 
Deutschland hat auch vergeblich viele Milliarden in seine Flotte gesteckt. 
Aber — das hat doch wenigstens dazu geführt, der Unterfeebootfiotte eine 
vorzügliche Führung zu geben, so daß wir uns schließlich nicht zu beklagen haben. 
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