Full text: 1914-1916 (1914-1916)

„Diese Soldaten besiegt man nicht," sagte der Elsässer, und wie er heim 
ging, um sich auf sein Bürgerohr zu legen, hatte er begriffen, daß einmal der 
Augenblick kommt, wo man sich entscheiden und mit den krankhaft empfind 
lichen Gefühlen ein Ende machen muß. 
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Ich besuchte neulich das Gefangenenlager in Zossen. Diesmal war mein 
Begleiter ein Berliner, dem ein kritisches Verhältnis zu seinem Deutschtum 
einfach unverständlich wäre. Aber cs war nun interessant, zu sehen, wie nach 
denklich er wurde, als er die Franzosen sah: 
„Ihre Röpfe sind schmäler als die unserer Soldaten, ihre Züge geistiger 
und spöttischer, die Figuren bager, die Dicken fehlen." 
Ich sagte ihm, man müsse es eigentlich begreifen, daß der Antimilitarismus 
in Frankreich so große Fortschritte gemacht hatte. Denn von einem gewissen, 
intellektuellen Standpunkt aus ist der Antimilitarist der, der kritischer, indivi 
dueller, selbstbewußter ist. Aber daraus den Schluß ziehen, wie es im Ausland 
geschieht, daß der deutsche Soldat nur ein Hammel sei, den seine Führer in 
die Schlacht treiben, das ist die falsche Rechnung, die sich bitter gerächt hat. 
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Denn das Militärisch-Deutsche in geistigen wert umgesetzt: im deutschen 
Wesen ist ein Maximum von Männlichkeit gezüchtet worden, das keine parallele 
auf der Welt hat. 
Die pathetik der Franzosen ist alt, aber die Männlichkeit der Deutschen 
wird sie ablösen. In Männern wie dem Rapitän von Müller und dem Leutnant 
von Mücke, beide auf der „Emden", ist dieselbe straffe Sachlichkeit, kühne und 
völlig disziplinierte Verwegenheit, die einmal unsere geistigen Menschen befähigen 
wird, die Dinge mit einem Degenstoß ins Herz zu treffen. 
Der gute Europäer von morgen, das ist die Fortsetzung des normalen 
tüchtigen Deutschen von heute, wenn sich in meinem Ropf die ganze, aber auch 
die ganze Welt spiegelt, wenn nichts mir fremd ist, wenn ich mich nicht wie ein 
Engländer borniert zeige den tiefen und verwickelten Dingen des Geistes, der 
Runst, des Erlebens gegenüber, dann bin ich das alles, weil ich ein Deutscher bin. 
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Das hat nichts mit Rassenphilosophie im Stile Wagners, Lhamberlains 
und unsrer Professoren gemein. Ich triumphiere deswegen nicht über die 
Franzosen, aber ich glaube, dieses Selbstgefühl macht nicht anmaßend, sondern 
gütig und gerecht. Denn in dem Zukunftsbild des deutschen Menschen fehlt 
die große und deutscheste Tugend nicht, die „Objektivität", der ungemessene 
Anstand, die restlose Ehrlichkeit des Mannes. 
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