Full text: 1914-1916 (1914-1916)

Andr6 Suarez' „Italienische Reise", ist jetzt deutsch herausgekommen. Es 
gibt in Deutschland vielleicht fünf Leute, die diesen Instinkt der lateinischen 
Völker für das sichtbar Schöne, die Rasse, den sicheren Geschmack, den Takt 
haben. Also ist es eine nützliche Lektüre. 
Aber ich denke, diese fünf Köpfe und die, die nach ihnen kommen werden, 
sind Geister anderen Kalibers. Der Franzose spricht im Namen seines Volkes 
und dessen, was es der Welt gegeben hat: wir alten, tausendfach bewährten 
Lateiner, was ist das im Grunde? Verteidigungsstellung; der Reiz der Patina 
liegt über diesen Büchern und diesen Menschen. Das Ideal der Rassigkeit und 
des sichern Geschmacks — es war zur Zeit der Marquisen, daß es Europa zu 
erobern begann. 
Die Sinnlichkeit ist da, aber wo ist das, was früher Wikinger, Normannen 
und Flibustier hinaustrieb? Es ist auf der deutschen Seite, in den Seeoffizieren, 
vielen Kämpfern der Schützengräben, den Fliegern, in allen denen, deren 
Gestalt ohne Fett und deren Seele straff und voll einer heiteren, mühelosen 
Energie ist. 
Die lateinische Schönheit, das ist ein erhabener Dilettantismus geworden. 
Ich ahne deutsche Menschen, die seine Feinnervigkeit und sinnliche Prägnanz 
mit der eigenen Männlichkeit verbinden. Bei Engländern und Amerikanern 
wird die große Leidenschaftlichkeit, die ich meine und die immer stählerne Klar 
heit ist, nie gefunden werden, bei Russen auch nicht, obwohl ich vor diesen und 
ihrer musikalischen Weiblichkeit fast Angst habe. Es ist höchstens der italienische 
Futurismus, der mir zu denken gibt, denn seine sadistische Brutalität ist ein 
Aufstand des Männlichen gegen das Uebermaß der Gefühle. 
Otto Flake.
	        
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