Full text: 1914-1916 (1914-1916)

ie Geistigen haben am Anfange dieses Rrieges ihn bejaht, 
ihn bejahen müssen; wenn sie auch ihre Stellung gegen 
den Rrieg, schon in der Erkenntnis, daß jeder geistige 
Vorgang Rrieg sei, nicht aufgaben, erkannten sie, von den 
wenigen abgesehen, die aus falscher Metaphysik den Rrieg 
überhaupt gutheißen, daß das vorhandne Europa der 
bleibende, bleiben müssende Grund ihrer ach so nebellosen 
Pläne sei. Ob sich dies geändert hat — zumal man nicht 
mehr weiß, ob es gegen Osten, nach Westen, oder um was es überhaupt geht — 
braucht nicht beachtet zu werden. Auf jeden Fall sind (außer den Frauen) die 
Geistigen die am meisten Leidtragenden dieses Rrieges; nicht nur weil ihre 
Rulrurideale zusammenstürzten; nicht nur weil in ihren Reihen zahllose Opfer 
den geistigen Seuchen dieser Zeit fielen — sondern weil dieser Rrieg, sein Beginn, 
sein Verlauf, seine Führung, eine ungeheure Bestätigung des Bürgerlichen 
bedeutet. In der Tat hat der Bürger in diesem Rriege, in diesem internationalen 
Rriege, diesem Rriege der politischen Trusts,-dieser Kulmination des politisierten 
Rapitalismus, außerordentliches geleistet; er hat sich, nicht nur in seiner kom 
plementären Erscheinung, dem Militär, sondern ganz für sich rund und fest 
ausgearbeitet, ist gewachsen und in der Wirklichkeit verwachsen. 
wir werden es schwer haben. Lernen wir darum von ihm sein bestes 
Mittel — Organisation, lernen wir von dem untergegangnen Proletariat sein 
einziges Mittel: Zusammenschluß, wir wissen, wie schwer es uns wird — aber 
man wird uns so zusammendrängen, daß wir einander endlich fühlen können. 
Befestigen wir unsre gemeinsame Vereinzelung! Erkennen wir, formen wir 
das Bejahende der Negation! Umkreisen, bewachen, belauern wir die Wirk 
lichkeit — da uns die Realität so hart auf die Haut gerückt ist! Leiten wir 
sie in einen Strom, unsre Leidenschaften aller Sterne! Verkaufen wir, um den 
preis der Welt, unsre Skepsis; bleiben wir dennoch Skeptiker — und beginnen 
wir die skeptische Politik! Nie wird die ungeheure Verwirrung schaffen, und 
aus der wird der Geist aufstrahlen. 
Es wird schwer sein wie alles, was fein muß, und nicht wie alle Ueber 
zeugung und Willkür. Ergeben wir uns der neuen, erhabenen Willkür der 
Bündnisse, der Politik; uns fei nicht, wie dem Bürger, die Politik das Mittel 
zum Leben, uns fei die Politik das Leben, der Zweck! 
Realisieren wir die Idee; greifen wir an das Nächste; politisieren wir 
uns, zu allen Spielen der Nähe, des Tages, des Rompromisses — glauben 
wir, daß es uns Zweck fei, und es wird gehn. Und wenn es nicht genügt — 
militarisieren wir uns, die wir von je disziplinierter als alle waren — und 
nur in der Bindung des Heute uns zu verlieren drohen. Sein wir des Heute 
so gewiß wie des Morgen! 
Und vergessen wir darüber nicht, daß, wie die Verfassung die Gefahr der 
Revolution, die Hierarchie die Gefahr des organisierten Geistes ist. Behalten 
25S
	        

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