Full text: 1914-1916 (1914-1916)

ernt als Ziel der Menschheit die Gesamthochentwicklung 
— will sagenEingeistigung — dessen, was als „menschlich" 
erkannt wurde, zugestanden wird, so kann das Ausschlag 
gebende für ein himmlisches Preisrichterkollegium, welches 
das Stadium des Rennens bewerten soll, nur sein: welche 
Höhe dieses „Menschliche" erreicht hat. Sein Zustand ist 
das Entscheidende. Die Haltung der jeweils Lebenden ist 
Handhabe und Beweis für das Gerettet oder Gerichtet 
eines Gottes. Der Menschen Sein bestimmt das Urteil; zu Zeugen werden ihre 
Taten aufgerufen. 
Das Sein, ein Zusammengesetztes aus Reizempfindsamkeit und Erkenntnis, 
ist das immanente Verhältnis der Seele zum Außen. Die Ausbalanzierung und 
der Erweis des Seelenbestandcs findet erst an der Umwelt statt. Durch die 
Berührung mit ihr erhält das Sein die Abstufungen und Markierungspunkte, 
deren es zu seiner relativen Stabilisierung bedarf. Es liegt hier das Eigen 
tümliche jeder „Form" vor, die das Fließende, Unnennbare durch Einteilung 
aussprechbar macht. Sie hat stets die doppelte Aufgabe, die Möglichkeit und 
die Sichtbarkeit zu gewährleisten. So findet das Sein an dem Außen nicht nur 
die innere Festlegung, sondern auch die äußere Erfüllung. Das Handeln ist 
die Form des Seins. 
Allerdings, es ist tiefe Befriedigung im Nichthandeln, weichen wir doch so dem 
unentfernbaren Widerspruch aus, daß der Geist Gestalt annimmt. Aber haben 
wir einmal, dadurch, daß wir am Tage unserer Geburt nicht Selbstmord ver 
übten, uns einverstanden erklärt, jenes Paradoxon hinzunehmen, haben wir die 
Berechtigung, es als Ruhekissen zu benutzen, verloren. Durch das Bestehen beider 
Elemente, Individuum und Außenwelt, werden wir von der Schöpfung kate 
gorisch aufgefordert, die parallelen in uns zu vervollständigen, die Tat dem 
Sein folgen zu lassen. Sein allein ist Halbheit. Das Handeln ist fein Rom- 
plement. wie der Marmor zum schöpferischen Einfall des Bildners, ist das 
Handeln die andere Hälfte zum Sein. Die Beseelung erfolgt vom Subjekt. 
Daß die beiden Hälften kongruent seien, ist Forderung. Die Reaktion der 
Seele auf die Berührung der Welt ist also bestimmend für das Weltniveau. 
Die Tat ist das Endgültige, was die Menschen erreichen wollen. Nur was 
in ihr auf irgend großen Umwegen mündet, ist im Gesamtsinn kulturwertvoll. 
Hier Angewandtheit und Zweckmäßigkeit ist Weltzweckmäßigkeit. 
Die Technik (in weitestem Sinne) war von ihren eigenen Erfolgen in diesem 
und dem vergangenen Jahrhundert so entzückt, daß sie nur noch sich selbst sah 
und von sich sprach. Sie wies, indem sie allen Maßstab für ihr Verhältnis zu 
ihrer Umgebung verlor, deutliche Zeichen beginnenden Größenwahns auf. Nach- 
dem der Rrieg nun die Abteilung des männlichen Hirnes, welche für technische 
Angelegenheiten zuständig ist, zur Leiterin des Erdgeschehens machte, wird ihre 
Ueberfchäyung kaum mehr heilbar sein.
	        
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