Full text: 1914-1916 (1914-1916)

dieses Krieges die Betonung des deutschen Menschen also auch seines Geistes 
gälte, mithin der Anlaß gleichfalls ein ideeller wäre, so würde die Form, in der 
ein geistiger Wille mit geistigen Mitteln schließlich in die Erscheinung träte, 
doch die typische des Rrieges, die ungeistige Gewalt sein. Das Erreichte dringt 
nicht in die Umwelt. Es wird ihr aufgedrungen. 
Die technischen Errungenschaften bedeuten gleichfalls nur äußeres Herr- 
werden. Die kaufmännischen oder praktischen Mittel, wie z. B. das Studium der 
Staatswissenschaft werden zum Zweck der tatsächlichen Macht des Einzelnen 
innerhalb der menschlichen Gemeinschaft aufgewendet. Die physikalischen For 
schungen haben dem Menschensyndikat dadurch, daß sie Raum und Zeit auf 
die Kniee zwangen, Macht über die materielle Natur verschafft. Aeußere Gewalt 
aber ist für den Geist unverständlich und kommt überhaupt für ihn nicht in 
Betracht. Die Lust an Kampf und Kombination, die Freude des Herrschbewußt 
seins, sind in beiden Fällen psychologische Begleiterscheinungen, aber keine werte. 
Die internen Erfolge können nur zu kulturellen werden: wenn der Einzelne 
durch sein materiell Erreichtes ungehindert Arbeiter am Gesamtaufstieg wird, 
die externen, wenn die Erfindungen Grundlage für ideelle Dinge werden. Das 
ist der praktisch-direkte weg. Oder aber die Errungenschaften werden in das 
Bewußtsein der Menschen aufgenommen und beeinflussen stimmungshaft die 
gesamte Höhenlage. So kann etwa das Gefühl des Herrseins über der Welt, 
von einem kleinen Teil des Geistes real-äußerlich erreicht, erhöhend auf die innere 
Haltung des Gesamtgeistes der Außenwelt gegenüber einwirken. Das ist der 
weg der Verarbeitung. Erst der innere Besitz kann eine Überfachwissenschaft - 
liche und überpraktische Bereicherung verbürgen. Die ins Freie losgelassenen 
Hirnprodukte schließen sich erst zum Ringe — dem Symbol des Ewigen — 
mit der Wirkung auf die Seelen der Menschen, wenn das, was die Welt 
objektiv erreicht, nicht auf die Welt zurückfließt, bleibt es eine Luxusangelegen 
heit. In dieser Beziehung sind die Amerikaner das typische primitive Urvolk 
der Neuzeit. 
Die Kunst- und Philosophieschöpfungen beanspruchen hier durchaus eine 
Sonderstellung, da sie sich nicht auf einen Gehirnbezirk, sondern über der Breit 
seite aller Menschlichkeit überhaupt erheben. Sie sind selbst Extrakte des 
Lebens. Sie haben alle an sich unlebendigen, „technischen" Gebilde in sich auf 
genommen. Höhenanzeiger des jeweiligen Verhältnisses von Mensch und Welt. 
Da sie bereits auf dem Wege des Zustandekommens mit der Kultur verbunden 
sind, haben sie schon an sich Kulturwert — nämlich den, den sie anzeichnen — 
auch ohne die rückwärtige Verbindung der Wirkung (die eine so vorwärts 
bringende ist, weil Fernhörige die Apparate bauen). Das „technische" Werk hin 
gegen bedarf zum Anschluß an den Gesamtgeist der Wirkung vom Produkt 
zurück auf den Menschen. Die hohen Objekrivationen des Geistes bleiben in der 
Luft hängen, wenn sie nicht zur Erkenntnis werden. Die Haltung der 
Seelen ist Kultur. Die Schöpferischen sind Mittler. Die Handelnden
	        
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