Full text: 1914-1916 (1914-1916)

Presse - Urteile 
über das Zeit-Echo: 
Prager Tagblarc: 
„Zeit-Echo". Unrer diesem Titel erscheint eine Zeitschrift, die cs sich zur 
Aufgabe gestellt hat, die Rricgsftimmung, und zwar gerade in ihrer Verschieden 
heit, zu sammeln und sich spiegeln zu lassen. Die Zeitschrift, die sich von der 
Hochflut der Rriegspublikationen durch ihre vornehme und unabhängige Art 
wohltuend abhebt... 
Zeitschrift für Bücherfreunde: 
... Ich möchte nicht hier eine beliebige Publikation, die der Rrieg hervor 
brachte, unkritisch anzeigen, sondern cs ist laut zu bekennen, daß diese Hefte 
durch Gesinnung und künstlerische (Qualität das Beste darstellen, was der Rrieg 
unrer den ärmlichen und schwachen Runstgaben der harten und furchtbaren 
Monate bisher erzeugte. Meist sprechen hier Menschen des Geistes und der 
Runst, die bislang schwiegen, und die Rnappheit der Ausdrucksform erhöht 
die Wucht ihrer Worte. — Unter den Lithographien findet sich manch schönes, 
kein gleichgültiges Blatt; neben Geiger und Rubin treten meist jüngste Rünstlcr 
auf wie Werner Schmidt, R. Beeh, Scharff, Unold, Seewald. — Man wird 
— und darin unterscheiden sich diese Hefte von fast allen anderen Druckwerken 
dieser Zeit — niemals nur die Beteuerung patriotischer Meinungen oder die 
Darstellung des Tatsächlichen finden, sondern tiefste Gesinnungen und Erkennt 
nisse offenbaren sich... p—s. 
Freinden-Blatt: 
... „Zeit-Echo", ein Rriegstagebuch der Rünstlcr, an dem unsere deutschen 
Dichter und Zeichner, gerade der unpolitischsten Richtungen, die Alfred 
Rerr, Thomas Mann, Scherbaerr, Holz, Map Brod, Alfred Mombert, 
Franz Blei Stellung und Ausdruck nehmen. Unold, Rubin, Nowak, 
Geiger, Graphiker von originellstem und knappstem Strich, haben hier aus 
dem Rund des Rriegsgeschehens episodische Menschlichkeiten, perspektivische und 
plastische Feinheiten zu schöpfen gesucht. Oft hat man hier den Aeußerungen 
der Literaten gegenüber den Eindruck, als sei dieses Rrieges titanisches Bei 
spiel hier schon zu sehr Stoff und Thema geworden, denn Aphorysmus und 
Debatte stehen schon sprungbereit da. Doch ist der wert groß, auch der prin 
zipiell anderen, friedlich wirkendem Element zugeneigten Denker Stimme un 
geschminkt sich äußern zu hören und an allem, was gesagt und oft mir voll 
endeter Beherrschung des Stils und der psychischen Disposition gesagt wird, 
ist auch hier des deutschen Geistes Vielfalt und kosmopolitische Rechtlichkeit, 
seine Ueberlegcnheit über dem Neid und Haß der Gegenseite gerade durch diese 
Fähigkeit zu Sclbstbctrachtung und Selbstkritik, durch seine noble Größe, die 
lcidvollstes und empörendstes Erleben noch in eine Formel geistiger Behandlung, 
ruhigen, sachlich kühlen und wahren Urteils zu bringen weiß, klar erwiesen. 
Ludwig Ullmann. 
Die Aehre: 
was als künstlerische Rundgebungcn bisher an flammender Rriegs- 
begeistcrung in deutschen Zeitschriften zutage trat, harte den Charakter des 
chaotischen, unabgcklärrcn, spontanen Gefühlsausbruchcs. Von Tiefe und Reife 
war wenig zu spüren, da wur und Haß die meisten Augen verblendet hatten. 
Mit um so größerer Freude zeigen wir heute eine kleine, hochkultivierte, rein 
künstlerische, auch in ihrer Aufmachung wundervoll der Zeit angepaßte ge 
schmacksreife Zeitschrift vor, betitelt „Zeit-Echo", ein Rriegstagebuch der 
Rünstler. 
Dr. £. Wolf & Sohn, München.
	        

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