Full text: 1914-1916 (1914-1916)

Totengespräch 
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Dr. Martin -Luther: Büchsen und Geschütz sind grausame, schäd 
liche Instrumente, zersprengen Mauern und Felsen und führen die Leute in die 
Luft. Ich glaube, daß des Teufels in der Hölle eigen Werk fei, der es erfunden 
hat, als er nicht streiten kann sonst mit leiblichen Waffen und Fäusten» Gegen 
Schießen hilft keine Stärke noch Mannheit. Er ist tot, ehe man die Gefahr 
siehet, wenn Adam das Instrument gesehen hätte, das seine Rinder hätten 
gemacht, er wäre vor Leid gestorben. 
Frau von Pompadour: Sie glauben noch an Adam. Sie sind 
naiv, hochwürdiger Herr. 
Dr. Martin Eucher: wie der Löwe hatte alle Tiere zu Gast ge 
beten und ein köstlich herrlich Mahl lassen zurichten, war auch die Sau dazu 
geladen. Als man nun die köstlichen Gerichte auftrug und den Gästen vorsetzte, 
fragte die Sau: Sind auch Rleien da 7 — So geht es manchem dem Gottes 
wort gegenüber. 
Frau von Pompadour: Ein witziger Herr. Daß er derb ist, hängt 
mir feiner Zeit zusammen. Ueber Gottes Wort wollen wir nicht streiten, da hat 
jeder seine feste Ansicht. Aber ich frage mich und frage Sie, hochwürdiger Herr, 
warum soll man sich das Leben durch Frömmigkeit komplizieren, da sie doch 
augensichtlich keinen Nutzen bringt. Voltaire sagte nicht umsonst, daß die so 
genannt Frommen meist um einige Grade schlechter sind als jene, die für sich 
von derartigen Dingen abstrahieren. 
Dr. Martin Eucher: Das ist der Welt Urteil, so lange es ihr gut 
ergehet. Aber der Glaube wird Frau Domina, sobald die Anfechtungen über 
die Menschen kommen, wie fromm ist die Welt geworden, es ist eine Freude 
zu sehen. So viel Gebete wie jetzt sind in einem Iahrhundert nicht zum Himmel 
gestiegen. Da hat der Heer wiederum des Teufels Werkzeug die Rardaunen 
und Stuck und Büchsen so verwandelt, daß des Leibes Schaden umschlägt in 
der Seelen Heil. 
Frau von Pompadour: Mein Rönig hat auch mehr als einmal 
Rrieg führen lassen und ich habe viele Soldaten gesehen. Aber ich habe sie 
niemals beten, sondern immer nur fluchen hören. Ich frage mich, ob dies per- 
fektionnement der Seelen mit dem perfektionnem'ent der Waffen zusammen 
hängt. Bei dem jetzigen Rostenpunkt der Sache hätte ich mich übrigens gehütet, 
meinen Herrn und Rönig zu einem Rrieg zu persuadieren. Es könnte doch nicht 
allzu schwer gewesen sein, mit diesen Summen den Mächtigsten selbst einen heil 
samen Schrecken einzujagen. 
Dr. Martin -Eucher: Der Teufel hat ihnen den Sinn für jegliche Zahl 
verschlossen, aber der Himmel wird auch diese Heimsuchung zum besten wenden.
	        

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