Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Frau von Pompadour: Sie nennen le äiable etwas oft, mein 
hochwürdigster Herr. Ich finde, daß diese ganze Mythologie sehr wenig mit den 
Realitäten zu tun hat, die wir jetzt staunend betrachten. Mich interessiert am 
meisten, wie man sich aus der Affaire zieht, passen Sie auf. das wird nicht so 
leicht sein. 
Dr. Martin Luther: Laßt uns bitten, daß Gott die Länder künftig 
vor Rrieg behüte I Wiewohl Rrieg ist ein rechtmäßig und ordentlich Dipg und 
Werk der Oberkcit, nicht allein eine Defension und Notwehr, sich vor ungerechter 
Gewalt zu schützen, sondern auch eine Rache. 
Frau von Pompadour: Davon dürften Sie dem gegenwärtigen 
Geschlecht nicht predigen. Sie schreien ohne Ausnahme von Notwehr. Und 
deshalb ist es gerade so schwer, den Faden des Friedens einzufädeln. Es fehlt 
eine Frau, die einfädeln kann und ein richtiges Stickmuster anfangen. Ich habe 
die Männer immer schwerfällig gefunden. 
Dr. Martin -Euther: Es ist kein Rock noch Rleid, das einer Frau 
oder Jungfrau übler ansteht, als wenn sie klug sein will. 
Frau von Pompadour: Alle Völker, die Gesittung hatten, haben 
die Frauen geachtet. 
Dr. Martin -Eutcher: Und kein Volk in stärkerem Maße, als wir 
es getan. Das Weib habe das Regiment im Haufe. Aber Männerwerk schlichte 
der Mann. Da Gott Adam zum Herrn über alle Rreatur gesetzt hatte, da stand 
Alles noch wohl und recht und Alles ward auf das Beste regiert. Aber das 
Weib kam und wollte die Hand auch darin haben und klug fein. Da siel es 
Alles dahin und ward eine wüste Unordnung. 
Frau von Pompadour: Eine wüstere Unordnung, als die Männer 
jetzt angerichtet haben, kann es kaum geben. Ich wiederhole immer wieder, 
daß ich nur neugierig bin, wie die Rabinette die Sache auflösen werden. Ich luge 
täglich in alle Bureaus, um zu sehen, ob der Geist des Friedens einzieht, aber 
Geist habe ich bis jetzt überhaupt keinen darin bemerkt. 
Dr. Martin Zürcher: Das sieht dem Weibe ähnlich, durch die Tür- 
spalten zu spitzen. Ich habe die Schlachtfelder wahrgenommen und einen guten 
Geist gesehen, tapfer und fromm. Aber wenn Sie, Frau Gevatterin, neugierig 
sind, zu sehen wie es ausgeht, so bin ich begierig zu beten, daß es ausgeht. 
Gort, der Herr, gibt zur rechten Stunde den rechten Geist. Deß bin ich gewiß. 
(Er setzt stillen Ganges seine» weg fort.) 
Frau von Pompadour: Und ich bin doch neugierig, wie sie es 
machen. Denn auf das wie kommt es an, das habe ich nur zu oft bei den 
Sraatsgeschäften erfahren. 
Alexander von Gleichen-Rußwurm
	        
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