Full text: 1914-1916 (1914-1916)

durch das sich klärende protestantische Prinzip religiös geistig sich vorbereitet, um 
dann mit Notwendigkeit auch politisch-sozial zu seiner neuen Form zu gelangen. 
Die große religiöse Renaissance der Germanen. Luther und die Refor 
mation. politisch-sozial mit ihr gleichlaufend, geeint mit ihr in der gleichen 
Wurzel die wachsende Bedeutung der Mark Brandenburg, Burggraf 
Friedrich von Zollern. Dann der dreißigjährige Krieg: polarer Bildungsprozeß 
in seiner bänglichsten Unruhe. Hie' Luther, hie' Kaiser (Oesterreich)! Aus ihr 
hervor dann aber die beginnende Klärung der sozialen Polstellung: Die An 
fänge Preußens, der nunmehr mit Entschiedenheit politisch gestellte Gegen 
satz zwischen ihm, dem protestantischen, und dem kaiserlichen katholischen 
Oesterreich. Friedrich der Große alsdann und die schlesischen Kriege. 
wie eine Berufung eines neuen deutschen Kaisertumes und eine besondere 
Förderung der polaren Entscheidung von außen her, alsdann der Ansturm 
Buonapartes und des romantisch aufgefrischten alten lateinischen Imperialis 
mus. Zum anderen Mal durch Louis Buonaparte. Der 7<)ger Krieg. Zuvor 
durch den SSger Krieg Oesterreich und das katholische Kaisertum aus 
Deutschland ausgeschieden. — Endliche Lösung der polaren Krise durch das 
endgültige Zustandekommen des protestantischen deutschen Kaisertums. Da 
man sagen kann, daß seit den fränkischen Kaisern das deutsche Kaisertum 
eine immer entschiedener romfeindliche, ihrem innersten Wesen nach germanisch- 
protestantische Richtung hatte, die reine Erfüllung des germanisch-protestanti 
schen, geläutert christlichen Prinzipes politisch-sozial, also mit dem neuen, 
preußisch -reformarorisch bestimmten Kaisertum erreicht! 
Von nun an wiederum eine klare polareZweiteilung politisch-sozialer kultureller 
Funktion: Deutschland und Oesterreich, Westen und Osten. Doch nunmehr das 
schon längst vorwiegend im Osten in Anspruch genommene katholisch-österreichische 
Kaisertum an Stelle der ehemaligen Kulturfunkrion Ostroms, ja, wie sich so sehr 
überraschend erweisen sollte, an Stelle der Funktion des russischen Zarats getreten. 
Diese also bereits vorhandene und zu ihrer großpolitisch kulturellen Auf 
gabe bereite zwiepolare soziale Funktion einer großen westeuropäischen Kultur- 
einheit geht aber sich wiederum klärend durch den Weltkrieg! Kann aber ein 
anderes denkbar sein, als daß morgen oder übermorgen diese Klärung zum 
Weltstaatenbund führen wird? 
Das hunderttausendfältige Blut, das jetzt auf den Riesenschlachtfeldern 
in West und Ost strömt, würde fürwahr vergeblich vergossen sein, wenn Deutsch 
land, nachdem es selbst sich 
militärisch ein für allemal gegen den bisherigen Dreiverband sichergestellt hat, 
nicht den mitteleuropäischen Staatenbund zustandebrächte, dem über kurz oder 
lang auch, politisch herabgemindert, England, Frankreich, Italien u. s. w. sich 
anzuschließen genötigt sein würden?
	        

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