Full text: 1914-1916 (1914-1916)

sind, wir wollen es ruhig aussprechen, wie UNS jene sogenannte moralische 
Neutralität der Schweiz, Hollands und Skandinaviens schmerzt. Es ist, um 
es zu wiederholen, ein Verrat an der gemeinsamen Männlichkeit, eine Rapi- 
tulation vor der Lüge. 
Man tröste uns nicht mit der historischen Gerechtigkeit, die uns rehabilitieren 
werde. Ich glaube nicht an die sogenannte historische Wahrheit, wahr bleibt 
letzten Endes nicht das, was wirklich wahr ist, sondern das, was von den meisten 
Menschen für wahr gehalten wird, wo keine Bereitwilligkeit zum Glauben 
ist, da kämpft sich auch keine Wahrheit durch. Auch die Wahrheitsbildung 
regelt sich nach den Bedingungen der Nachfrage. Und so wird sich denn die 
große hysterische Lüge unserer Feinde nach dem Gesetz des geringsten Wider 
stands über den größten Teil der bewohnten Erde verbreiten und eines Tages 
unantastbare historische Wahrheit geworden sein. Mit anderen Worten, die 
weibliche Hysterie wird auch nach ihrer äußeren Unschädlichmachung das letzte 
Wort behalten und die glänzend inszenierte und skrupellos bediente Weltpresse 
unserer Feinde wird die Genugtuung behalten, historische Wahrheit gemacht zu 
haben. Dann werden wir erst spüren, was Ekel ist. 
Aber dieser Ekel wird uns nur noch mehr zusammenschließen, wird uns 
nur noch mehr bestärken in dem Gefühl der ernsten Mission unserer Männ 
lichkeit. Nicht um die Männlichkeit im kraftmeierischen Sinn handelt es sich 
hier, das wissen wir, sondern um die Männlichkeit im Strindbergischen Sinne, 
d. h. um den Geist der entschlossenen Sachlichkeit und um den Geist des 
moralischen Verantwortlichkeitsbewußtseins, um jenen Geist, den man auch 
kurz den Geist von J$J3 nennen kann. Denn das war uns doch allen das 
größte Erlebnis in diesen Wochen, daß dieses lSlZ noch heute lebt, wie 
rauschten die alten Ströme wieder, die im neuen Deutschland ganz verstummt 
schienen, wie überraschte es uns, uns auf einmal wieder geadelt zu sehen. 
Nun sind schon viele Wochen dahin und wir haben mit dem alten Adel auch 
unseren alten Stolz wieder gefunden. 
Dieser Stolz wagt es, heute ohne Erröten zu sprechen von dem deutschen 
Wesen, an dem die Welt genesen soll, welch eine Wandlung: vor zehn 
Wochen wäre es uns noch als eine Blasphemie an unserem Rulturbewußtsein 
erschienen, dies einseitige Wort auszusprechen, heute aber haben wir den Mut 
und das Recht zu diesem Wort gefunden. Das haben die zehn Wochen ver 
mocht, in denen die ganze Welt, von der Hysterie unserer Feinde angesteckt, 
sich in einer wilden Orgie des Deutschenhasses verbrüderte, jene zehn Wochen, 
in denen man unsere nationale Anständigkeit durch den Schmutz der ganzen 
großen und kleinen Weltpresse gezogen hat, jene zehn Wochen, in denen von 
den Serben bis zu den Hereros der Schlachtruf gegen die deutsche Barbarei 
und Unkultur erscholl, kurz, jene zehn Wochen, in denen jede Scham, jeder
	        
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