Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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durch die sich Soldaten einzeln auszeichnen, sind nur Teile des Krieges und 
enthalten keinen anderen als den Gesamtgeist, das Massenhafte. Heere wälzen 
sich zu jedem Sieg, den sie wert sind; einem Einzelnen aber verleiht Gott jetzt 
niemals Erfolg. 
Der eine: 
wie falsch I Gott laßt nur keinen jetzt am Leben sein! Nur so wird dies 
Schweigen rings erreicht. Verhindert wurde, daß Hervorragende den Krieg 
erlebten. Ein jeder whitman, Bismarck, Nietzsche, Ibsen, Tolftoj, Srrindberg 
mußte gestorben sein; auch ein letzter irgendwie Selbständiger wurde in Paris 
noch schnell niedergeknallt —. Und niemand war rechtzeitig geboren worden, um 
nun ein Sichtbarer und Uebersehender zu sein. In gnadenlose Ebenen einge 
ebnet — kann so wenig wie auf beschossenem Schlachtfeld sich jetzt irgendwo 
ein Kopf erheben, ohne vernichtet zu werden. Tun was der andere tun kann 
und aus aller Vermögen einen Führer herausdestillieren, der also in Wirklichkeit 
gleich allen ist: dies steht leer zwischen dem Kanonendonner wie das Schweigen 
des Kanonenfutters —, und es stand auch schon zwischen dem Gekläff des 
Friedens, sonst wäre vielleicht ein besserer Kampf gefolgt. Die Gestalt mit 
dem Charakter und der Bereitwilligkeit des Massenhaften hat keinen Punkt 
außerhalb von sich, — und so kann sie nichts bewegen. Und so kann sie 
auch nichts lieben. Es ist unwahr, daß vom Massengefühl eine Gemeinschaft 
hervorgebracht wird. Die Liebe nimmt ihren weg über den einzelnen. Christus 
konnte für die anderen etwas tun. weil er absolut allein stand. In einen 
Verband eingegliedert, — sein Tod wäre nicht die Erlösung der Welt gewesen. 
Ein Mann kann aus seiner liebenden Einsamkeit die Gemeinschaft produzieren, 
ein Mann kann ein Volk gebären, — nicht das Volk sich selbst. 
Darum darf diese Zeit nichts als eine qualvolle pause sein. Und sie dauert, 
bis über die Gemeinschaften, die das Licht der Welt erst noch zu erblicken 
haben — und es doch unbefugt schon beherrschen, — sich wieder Rufe, jeder 
für sich hörbar, erheben. 
Freiheit der Einzelheit! oder die Geburt der Gemeinschaft aus dem Un 
geiste des Massenhaften kommt und zersaugt die Größe Wahrheit der Einzel 
heit! oder es siegt die Lüge der Vereinigungen, die durch Vereine statt durch 
einen geschehen. 
Sicher und massenhaft stehen Sie vor mir da und es ist Ihnen egal, ob 
die Erde durch Erzeugung von Sternen ein Stern bleibt. In Ihren Augen 
spiegelt sich Ihr Zukunftsstaat wie ein umgekehrtes Paradies, in dem nur der 
Mensch nicht einzig in seiner Art ist, sondern die Adams und Evas sich wie 
Tiere häufen —. Ach — könnte ich diese Aussicht dadurch ändern, — ich 
schlüge Sie auf der Stelle rot —. 
Alfred wolfenstein 
Künstler - Postkarten. 
Vielen Lesern wird es willkommen sein, daß wir von einer Anzahl von 
Abbildungen aus dem Zeit-Echo Postkarten haben herstellen lassen. Soeben ist 
eine Serie von zwölfKarten mit Original-Lithographien vonR.Beeh, A.Kubin, 
E.Scharff, R. Seewald, Werner Schmidt, O. Th.w. Stein und Original- 
Holzschnitten von M. Unold erschienen zum preise von Mk. l.—. 
Die Karten sind zu beziehen gegen Einsendung des Betrages zuzüglich 
5 Pf. für Porto oder gegen Nachnahme vom Graphik-Verlag München, 
G. m. b. H., Zweigstelle Berlin, Pariserplatz 7.
	        

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