Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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dslf Schinnerer, dem der illustrative Teil dieses Heftes 
gewidmet ist, ist lS79 im Feankenland geboren. Nach 
dem er in München einige Semester Philosophie studiert 
hatte, war er mehrere Jahre zum Studium an der Aka 
demie in Karlsruhe, wo er Schmid-Reutte und w. Lonz 
zu Lehrern hatte. Nach wechselndem Aufenthalt in Er 
langen, München und Tennenlohe bei Nürnberg siedelte 
er ISll dauernd nach München über. In den starken 
und tiefempfundenen Lithographien dieses Heftes gibt 
der Künstler die Eindrücke wieder, die der Krieg in ihm 
hervorgerufen hat. Die Blätter zeigen ihn als vollendeten Meister der gra 
phischen Kunst, auf welchem Gebiete Schinnerer schon so viel Vortreffliches 
geleistet hat, was der soeben erschienene Katalog*) seines graphischen Werkes 
beweist, den Dr. Ludwig Gorm herausgegeben hat. 
was Dr. Gorm über das zyklische Werk Adolf Schinnerers darin sagt, 
möge hier folgen: 
Deutsch sein heißt frei sein. Frei sein aber heißt nichts anderes als die 
mannigfachen Gebilde der Welt durchdringend zu einem einheitlichen und hohen 
Sinn gestalten, welcher sich als der unserer eigenen seelischen Schicksale erweist. 
Es heißt weder gelöst sein noch haften an dem wirklichen, sondern es bilden zu 
der Wahrheit, die hinter dem Traumschleier dieser Welt um Entstehung ringt. 
In diesem Sinne ist Adolf Schinnerer sehr deutsch und sehr frei, und 
im Laufe seiner Entwicklung immer freier geworden, wenn seine Einzelblätter 
dies in der Art der Arbeit, in der Technik zeigen, so läßt es sich an den Zyklen 
nicht bloß darin, sondern auch dem laienhaften Genießer verständlicher, an den 
Motiven und ihrem menschlichen Gehalt darlegen. 
Sein zyklisches Werk beginnt mit den „Zeichnungen eines Verliebten." 
Hier ist alles eingebettet in den wesenhaften Gehalt junger Liebe, in eine 
wartende und staunende Sehnsucht, die scheu, verlangend, in sich gebannt nach 
einer äußeren Erfüllung sich ausstreckt, welche von der Geliebten und von der 
Welt, die beide eins sind, wie ein segenvoller Regen herabströmen sollen. Und 
dieser Sehnsucht ist eine Angst vermählt, die keine Furcht ist, sondern die noch 
unerprobre Kraft, die ihren eigenen Herrn bedrängt. Ein Abend ist über die 
Hügel gesunken, Goldlicht und Schatten verschränken sich über der Erde zu 
einem urheimatlichen Gewände und strömen in den Hausgang, in dem der 
Verliebte an der wand steht, in sich geduckt, trunken vom Leid der Ent 
fernung und von der Gewißheit eines vereinten Seins, die ihm zitternd vom 
Boden und aus den Lüften ins Herz dringt. Traumschwer jagt ein Heer von 
Unholden über die schlafenden Zwei, Buben und Rosse sind aus feindlichen 
Dünsten geballt, ergeben schmiegen sich die Bedrohten darunter hin, harrend, 
daß das brausende Ungewitter über ihnen verzieht, und sicher sich verlustreich 
hinter ihm neu zu erheben. Der Mann ist über seine Arbeit hingesunken, über 
voll von Gedanken, unfähig weiterzuschaffen, weil er zu fähig dazu ist in 
zurückgestautem Drang: und leise tritt die ferne Geliebte zur Türe ein, nackt, 
*) Adolf Schinnerer, Sein graphisches Werk. Von Dr. Ludwig Gorm. 
Mit einer Einleitung von Dr. Hans M. Sauermann. Graphik-Verlag, München, 
G. m. b. H. lS15. (Berlin, pariser Play 7), preis M. J.—, die bei Einkäufen 
gutgeschrieben wird.
	        

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