Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Erden wühlt der Orkan, diese Waffengewalt zu splittern, diesen stählernen 
Strom zu dämmen? 
Als wir am dritten Tage vom Burgplatz durch den graublauen Bogen 
der Stadtkanzlei gingen, faden wir auf dem Fischmarkt Ansammlungen von 
Menschen, die, aus der Betäubung wieder erwacht, auf den Urzustand jenes 
wütenden Hasses angelangt waren, der vor keiner Rugel, keinem Gehängtwerden 
zurückschreckte. Es waren ausgepreßte Früchte von Menschen, die das Schicksal 
in den Schmutz der unteren Häfen geworfen hatte. Das Rainsmal hing ihnen 
in wüstversträhnten Haaren von den Stirnen herab. Mit der fürchterlichen 
Zerlumptheir ihres Daseins klebten sie an den Bogengängen der Brücken, an 
den Laternen, an der schreienden offenen wand einer Schenke. 
Das weiße Licht des Tages nahm ihnen jede Maske. Sie fühlten das 
Haltlose und Schorfige ihrer Existenz und stellten das mit den Verzückungen 
von Flagellanten breit in die erschreckten Mienen der Vorübergehenden. Die 
Nacht aber kam zu ihnen wie ein Engel und stärkte sie; entzündete ihre Lüste, 
goß die Bitterkeiten aller Erden in ihr Blut und machte es rasen. 
Es war in den zwei letzten Wochen keine Nacht vergangen, die nicht das 
Leben eines preußischen Wachtpostens gefordert hatte. Man hatte sie gefunden, 
bärtige Landwehrmänner aus den Dörfern des Sauerlandes, den breiten Hecht- 
ling bis zum Heft im Genick. 
Die Bürger und Geiseln der Stadt aber zitterten für ihre Hallen mit 
dem Belfried, für das Johannishospital und den uralten moosgrünen Schlaf 
der Ranäle. Fürchteten, daß die rote Glutfahne der Rache über das wunder 
volle Gegiebel knallen würde. 
In den Spiegeln ihrer Augen nistete die Angst, auf ihren Lippen stand 
das grausige Getöse, das von Zypern herüberschallte. Ihr ganzes Dasein flutete 
auf und nieder im Spiel des Gehirns: Nicht wissen, welche die nächste Stunde 
wird, die graue, die sie heute zu sich herdachten, oder die andere, die helle, die 
vielleicht noch aus ihnen herausfiel vor ihrem nächsten Schritt. 
Die ganze Stadt war wie ein Gehn zu unerwünschten Zielen. 
Paul Zech 
z. Z. im Felde
	        
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