Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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h las heute, General French werde Lönig Albert in 
Veurne besuchen, und vielleicht werde auch Präsident 
poincare in dieser äußersten Ecke Flanderns eintreffen. 
Diese Notiz interessiert mich, und ich halte es für mög 
lich, daß einer der beiden Gäste in demselben Bett schlafen 
wird, das ich einmal während vierzehn Tagen benutzte. 
Es sind erst ein paar Jahre her. Im April wurde ich 
ungebärdig, die Rastanien blühten, im städtischen park 
stellte man die Orangenkübel vsr dem weißen Hause mit den hohen Fenstern 
auf, und es wurde immer schwerer, mit Jeanne ehrbar zwischen ihnen zu gehen 
und sich dann zu trennen. 
Die junge Schönheit der Welt war mein Verbündeter, und Ende Monats 
war Jeanne bereit, sich in den Frühling entführen zu lassen. Mit der Ver 
wegenheit, die Frauen entwickeln, wenn sie sich einmal entschlossen haben, 
machte sie es möglich, ihren Freund zu treffen, und es war der erste Mai, als 
wir nach worden fuhren. 
Metz, Luxemburg, die Ardennen, Brüssel wäre hinreichend für einen Tag ge 
wesen, aber das alles war noch nicht sicher genug, denn sie harre die eine Bedingung 
gestellt, niemand dürfe uns sehen, wir waren gut gelaunt, was machte es uns 
aus, noch bis Brügge weiterzufahren? Auch das befriedigte sie noch nicht ganz — 
aber nun blieb ich hartnäckig, ich wollte ihr doch die schöne rote Stadt zeigen. 
Ich kannte sie nicht, aber der Glanz ihrer wasserarme und darin das Bild 
der überhängenden Bäume stand so stark vor mir, daß ich mich fast selbst betrog. 
Doch so fröhlich wir am nächsten Morgen waren und so laut die Amseln 
schlugen, wir waren von Brügge enttäuscht. Die Hotels standen am Bahnhof, 
und um zu den Plätzen zu gelangen, die einem zum wohnen gefallen hätten, 
mußte man durch eine endlose Straße mir kleinen Häusern gehen, deren 
Geschäfte alle den Angelsachcn devot die Referenz machten. 
Fort von hier trotz Memling und Michelangelo, jetzt fuhren wir aufs 
Geratewohl weiter und suchten, was uns gefiel. 
Und siehe da, es glückte sofort, mein Gefühl hatte mich nicht betrogen, 
als mich der Name Veurne verlockte. Im Baedecker stand nur, daß es da 
im Juli eine große Prozession gab, und bis dahin war es noch lange. 
wir kamen auf einen Play, und dieser Play war so, wie ich sie liebe, 
groß, gepflastert, ohne Baum, ohne Denkmal, ohne Brunnen — ein (Quadrat, 
auf allen Seiten von Häusern eingeschlossen, ganz der Sonne ausgesetzt. 
Auf der einen Seite ein paar Eftaminets, die über drei, vier Tischchen 
kleine Markisen ausgespannt hatten, gegenüber ein altes Haus, zu dem man 
auf einem Treppchen hinaufstieg; auf der dritten Seite ein mittelalterlicher 
Turm, plump und mit einem glotzenden Fensterauge in der Mitte — auf der 
vierten ein Rathaus, kaum größer als eine Villa, aber im reinsten holländischen 
Renaissancestil, eines der ersten, die gebaut wurden. Der Rest Backsteinhäuser
	        
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