Full text: 1914-1916 (1914-1916)

was sie bisher anstrebte, Machterwerb und Machtzuwachs, die Politik in edlere 
Bahnen zu lenken, das liegt allein bei uns, bei unsrer Not und unsrer Rraft. 
Politik hat nicht mehr dieselbe stationäre Hausmannskost zu sein, die stets nach 
gleichem Rezept kocht und von den andern mit derselben stupiden Bauernart 
gelöffelt wird. Die Autorität im Sinn eines unerträglich gewordenenHerrschafts- 
anspruch ist nicht mehr und nicht die gottgewollte Abhängigkeit, auch wenn 
Bismarck sie zum Ueberdruß ausgesprochen hat. Ein neuer Geist ist da, den 
die Not der Zeit aus der verstaubten Taufe hob, ein Geist, durch die Intelligenz 
hineinzutragen in das adelsherrliche und bourgeoise und merkantile Leben als 
die sicherste Remedue gegen all die Gifte, durch die der Lebenssaft einer Rasse 
abgezapft zu werden droht. Gott nicht dienen ist ebensoviel wie dienen gegen 
Gott, wir haben uns von müßigen Außenseitern des Tages in geschlossene 
Triebkräfte des Tages umzugestalten. In uns ist wach ein furchtbarer Protest 
gegen jene Ordnung der Welt, durch welche diese halb geknechtet und halb 
geprellt wird. Das Reinemachen im politischen Augiasstall kann nur eine 
Aufrüttelung aus tiefen menschlichen Rückhalten sein und unsere Worte nur 
Hirtenbriefe an die geistigen Diözesen im Land, wachsam zu sein, daß die 
gegenwärtigen Herren der Situation sich nachher zu Dienern der Sache zu 
machen verstehen, wahrlich, es ist endgültig höchste Zeit, nicht weiter laborieren 
zu müssen an den Erbsünden dieser Zeit, die diesem Rrieg Vorschub geleistet, 
wenn nicht allein ihn verschuldet haben. 
Otto Schneider 
hres leisen Schritts Gecragenheit 
War wie Mohnsaft sanftigend und schmiegend, 
Ihrer -Lippen Lächeln erdenweit, 
War erlösend und den Schmerz besiegend. 
Demutreich geneigt dem unlustvoll 
Stöhnenden in blutigen verbanden 
Gab sie Labung, und Genesung quoll 
Sichtbar unter den Madonnenhanden. 
Schwüle Stunden wollen nicht vergehn. 
Raum ein Luftzug will die Stirn erfrischen. 
Täglich aber wuchsen, ungesehn 
Blumensträuße auf den schmalen Tischen. 
B. Reichenwallner
	        

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