Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Kriegsberichter st aller 
wünsche allen Kriegsberichterstattern eine Kugel, die ihnen 
den Wund schließt. Oder wenigstens ein Papagenoschloß und an 
dauernden Schreibkrampf. 
Nicht etwa, weil sie durchweg schlechte Berichte schreiben. Sie 
könnten lauter Barzinis sein, und die Lache würde im wesentlichen 
doch nicht besser. Nein, weil sie überhaupt Bericht erstatten über 
den Krieg. 
Früher hatte das noch Zweck. Da sahen sie, ?um mindesten 
die geschickten, was Wichtiges vorging, und man erfuhr von ihnen 
wesentliche Dinge, die man auf keinem anderen Wege erfahren 
konnte. Heute werden gerade sie von allem Wichtigen sorgsam fern 
gehalten. Was sie sehen dürfen, gerade das ist sicher gan; neben 
sächlich und harmlos. 
Wir erfahren von ihnen nur, was wir erfahren dürfen. 
Und das erfahren wir von den verschiedenen Heeresleitungen 
schneller, sicherer und klarer. 
Kritik ist ihnen (natürlich) gary verwehrt. Tatsachen sind nur 
in Auswahl gestattet. Was bleibt da ;u tun? 
Sie machen Stimmung. Und sie machen in Stimmung. 
„Der herrliche Geist unserer Truppen, die wundervolle Orga 
nisation, der unvergeßliche Eindruck, den der unvergleichliche Zeld- 
herr bei einer persönlichen Unterredung gemacht hat —", das läßt 
man über sich ergehen. Aber wenn sie so kommen: „Unbekümmert 
stapft der eisenstirnige Kriegsgott — Lin rotbraunes Ahornblatt 
segelt langsam durch die golddurchflimmerte Herbstluft", — da 
reißt einem dann freilich die Geduld. 
Wir können jetzt keine Stimmung gebrauchen. Die Tatsachen 
sind so rest'os schrecklich, so atem'os überwältigend, daß nur eine 
Äußerung dagegen aufkommt: das Heulen des menschlichen Zammers. 
Uns ziemt Schweigen über das, was draußen geschieht. Wenn je 
mand reden darf, so sind es einzig die, die auch die Arbeit tun. Was
	        

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