Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Vulgata sagte, daß sie „nne chose dure et tendre“ sei, das ist auch 
sein Glauben, und das ist seine Rede, in der er ihn ausdrückt. 
Leine Prosa hat „cette noble hardiesse latine“, in der er sich die 
Evangelien übersetzt dachte; gute runde Worte, wie sie etwa die 
Weinbauern der Loire haben, lieble er, der selber bäurisch war und 
ohne alle Finessen. Über das hinaus, was er als Kind aus dem klei 
nen Katechismus der Diözöse von Orleans über seinen Glauben er 
fahren, hat er diesen nie weder „erweitert" noch „verlieft". Der 
Katechismus genügte diesem ganz Untheologischen völlig, denn er 
war ein im Blute Gläubiger, das heißt einfach, herzlich und streng. 
.„Fch kenne den Menschen, sagte Gott, ich hab ihn ja gemacht, und 
ist ein drolliges Wesen. Denn in ihm spielt diese Freiheit, welche 
das Geheimnis der Geheimnisse ist. Wenn man ihn 311 nehmen ver- 
.steht, läßt sich viel mit ihm anfangen. Fch weiß ihn nehmen. 
Es ist mein Geschäft. Und diese Freiheit ist ja meine Schöpfung ... 
Kr hat viel Glauben und Barmherzigkeit. Was man nur nicht von 
ihm erlangen kann, das ist, Herrgottnocheinmal, ein bißchen Hoff 
nung, ein bißchen Vertrauen, ein bißchen Hingabe in meine Hände, 
ein bißchen Bast. Fa, du, meine Tochter Nacht, dir gelingt es 
manchmal, du erreichst das manchmal von diesem rebellischen Men 
schen, daß er zustimmt, sich mir ein bißchen überläßt, ein bißchen auf 
seinem Ruhebett sein schmerzendes Herz loser macht..." 
Wie so vielen der besten Franzosen wurde die Dregfuß-Affäre 
auch für Pegug zur großen Krise. Als er sah, daß man sich um die 
Gerechtigkeit überall nur kümmerte, soweit sie in ein Parteiinteresse 
spielte, zog er sich aus diesem Spiele zurück und gab die Cahiers 
de la Quinzaine heraus, deren erstes Heft im Februar 1900 er 
schien. Fhre bis zum Tode Pegugs ununterbrochene Reihe enthält 
die bedeutendsten Kundgebungen, politische, moralische, ästhetische, 
des wirklichen Frankreich, welches weder das der Kammern noch 
der Leitungen ist. Die Tahiers hatten kein Programm und waren 
keine Partei; jedes der Hefte war eine ganz unabhängige Publi 
kation eines Verfassers. „Es ist seit Beginn dieser Hefte eine 
absolute Regel, unser Prinzip und das fundamentale Statut, und 
wie ich denke, das Beste an unserer raison d’etre, daß der Ver 
fasser frei in seinem Hefte ist und ich nur dazu da bin, die zeitliche 
Herrschaft dieser Freiheit zu sichern." Aber es gab doch ein Band, 
das die oft sehr Verschiedenen einigte: die vollkommene geistige 
Rechtlichkeit. Sagen, was man weiß, und nichts mehr; und dies 
'sein Werk verrichten, so gut man kann, mit handwerklicher Liebe; 
unbekümmert um Karriere, Freunde, Rücksichten die erkannte
	        

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