Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Ereignisse daheim und draußen erlebt werden, sind völlig verschieden. 
Zur die «Zuschauer im Lande wirkt die räumliche Entfernung vom 
Kriege bei der Betrachtung ganz ähnlich, wie der zeitliche Abstands 
in der Geschichte. Die Schlachten, die an den Zronten geschlagen 
werden, das Leben, das die Menschen draußen führen, alles be 
kommt für die daheim, weil das Geschehen sich weit weg abspielt, 
sogleich etwas Legendäres, etwas von dem Glan; und der llber- 
höhtheit weltgeschichtlicher Taten. Das Einzelne in seiner kleinen 
Wirklichkeit geht unter in dem großen Bilde mit seiner höheren, 
schon zusammengefaßt erschauten und vereinfachten Realität. 
Der handelnde und leidende Mensch draußen hat diese Distanz 
nicht. Der heroische Glanz, der im Lande über den Worten Krieg 
und Schlacht liegt, fehlt für ihn, weil er nicht nur geistig, sondern 
vor allem und in erster Linie körperlich beteiligt ist. Was e r vom 
Krieg erlebt, ist die härtere Wirklichkeit, ohne geistige Steigerung. 
Gesteigert wird nur (im Momente der Gefahr, des Ansturms) das 
eigene Handlungsgefühl — solange die Nerven nicht stumpf ge-, 
worden sind. Die Empfindung der körperlichen Anstrengung, des 
körperlichen Eingespanntseins in den harten Organismus der 
Kriegsmaschine nimmt den Dingen jede Romantik. Und es ist 
sehr wunderlich zu sehen, wie später Herausgekommene diesen 
Kontrast sehr deutlich empfinden, fast erstaunt sind über die plötz 
liche sachliche Rähe und Gegenwart all der Dinge und Gefahren, 
die bisher vom Glanz der Kriegsberichte umleuchtet fern vor ihnen 
gestanden hatten und jetzt auf einmal hart und rücksichtslos da 
sind. Der Krieg draußen widerspricht ihrem bisherigen Bilde von 
seinem Wesen — und sie rächen sich für die Arbeit, die die Auf 
lösung dieses Widerspruchs ihnen bereitet, damit, daß sie nur ihn 
als den wirklichen Krieg gelten lassen wollen und jenes Zernbild 
hohnvoll verneinen. 
Das Verfahren ist begreiflich, aber falsch. Es taucht an 
gesichts dieser Auseinandersetzungen, denen man immer wieder be 
gegnet, mehr als einmal das Weltbild Plotins auf. Es ist mit 
dem Krieg wohl ähnlich wie mit dessen Welt: 2m Zentrum strahlt 
das ewige Licht, die reine 2dee. 2e weiter der Ring der Emana 
tionen wird, desto trüber werden diese — und am Ende, ganz
	        
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