Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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außen, steht als dunkler» lichtloser Gegenpol der 3dee die Materie. 
Man kann dies ohne weiteres auf unser Problem übertragen. 5o 
paradox es klingt: Die 3dee des Krieges lebt reiner drinnen im 
Lande. — Die Verwirklichung, die Materialisierung dieser 
(Zdee aber vollzieht sich allein draußen. Die Gegensätze stehen sich 
schroff, fast unvereinbar gegenüber: sie bedingen einander 
wie Gott und Welt. Die harte Wirklichkeit auf der einen, die 
gesteigerte Betrachtung und Einordnung auf der andern Leite: aus 
beiden erst erwächst das Bild des ganzen, des wirklichen Krieges. 
Wie die Auseinandersetzung zwischen den beiden Faktoren 
sich vollziehen soll, darüber wird erst lange, lange nach dem Friedens 
schluß zu sprechen sein. Denn es ist wohl richtig, wie jüngst ein 
Daheimgebliebener schrieb: „Wir dürfen den Frieden ersehnen, 
denn wir alle wissen, daß erst der Friede uns diesen Krieg erklären, 
verständlich machen, als vernünftig beweisen wird." Frieden, das 
heißt hier: der Zusammenstoß und die Auseinandersetzung zwischen 
deu Draußengewesenen und den Fuhausegebüebenen, zwischen 
Materie und ödee des Krieges. Erst aus dieser Diskussion wird 
sich dann das Bild des wirklichen Krieges ergeben. — Dies 
Bild erst wird der Wertmesser für die Generation sein, die den 
Krieg erlebte und trug. Fu hoffen ist, daß der Historiker, der einst 
den Ginn dieser blutigen Tragödie formuliert, heute unter den 
jüngeren draußen ist, daß er von der Materie des Krieges aus 
gehend, seine 3dee umschreiben lernt. Der Weg ist weit schwerer, 
als der umgekehrte. Die Aufgaben, die nach dem Kriege zu er 
ledigen find, werden aber nirgends sonderlich leicht sein. 
Paul Zechter 
(?. 3- Lille)
	        

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