Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Das gute Meer 
der Seeschlacht war etwas mit ihm vorgegangen, das er um 
sonst in seinem Gedächtnis suchte. Stunden lang saß er aus den 
Kircheustufeu in der Lonne, mit fremden und feindseligen Augen, 
so daß die Leute ihm nur scheu zunickten. Die Seele ist ihm in der 
See ertrunken, sagten ste. 
Da geschah es, daß er im Murmeln einer Rächt, aus traum 
losem Schlaf wie emporgerufeu, plötzlich das Meer vernahm. Fernes 
Brausen raun ihm glühend ins Blut. Sein Her; begann zu häm 
mern, als sollte stch ihm ein frohes Geheimnis offenbaren. Die 
Mutter lag in der unteren Stube, und ihr regelmäßiger Atem er 
füllte den Raum mit unendlichem Frieden. 2hr Sohn aber schlich 
barfuß von der Bodenkammer, immer das magische Rauschen im 
Ohr, das Antlitz aus dem innersten überblitzt von wirrem Feuer, 
und klinkte die Eür auf, die auf die Straße führte. Die Aachtluft 
erschreckte ihn tief; mit ihrem Wehen schien der vieltauseudstimmige 
Sang des Meeres himmelhoch zu steigen. 
Das Singende sehen! 2hn durchfuhr der Wunsch wie eln 
Schmerz. Einen Augenblick wußte er nicht, wohin stch wenden. 
Daun jagte er an den beiden gleich Riesenschwertern zum zerfetzten 
Himmel drohenden Pappeln, an Teich, Schmiede und Schenke vor 
bei zum Kirchturm. Kein Mensch sonst, kein Hnndebelleu, kein 
Stern. 
Der 2rre lief; aber zugleich lauschte er weit hinaus, dorthin, 
wo das Meer lag, über Dorf, Wiesen, Wald, Düne. Er kannte die 
Steinplatte, wo der Küster den Turmschlüssel zu verbergen pflegte. 
Schon keuchte er die schmalen Holzstufeu hinauf, in schwärzester, 
nach Fledermäusen riechender Finsternis, zum Glockenstuhl. Wie 
ein Mondsüchtiger tappte er stcher empor. Die Treppe ächzte, die 
Glocke schien zu seufzen. Sie hing da, ein Lebendiges, ewig Wach 
sames, und die Winde, die aus allen Himmelsrichtungen kamen, 
konnten ste durch die fenstergleicheu Bogen berühren. Doch küm 
merte ihn die Glocke nicht. Er blickte hinaus in die Ferne, in das 
Land, auf dem die Rächt bleich verdämmerte. Er blickte hinüber 
bis au den ungewißen Himmelsrand.
	        
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