Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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An die Gefallenen 
Gespenster kommen über Rächt, gehen hin mit leisen Tritte« 
durch die Hauser und schwinden über die langen Korridore. Ach, 
wo sind die windstillen Gesichter, da wir Kinder waren? Und unser 
süßes Lachen ist zerbrochen. 
Wir sehen dich, wir sehen alle wiederkommen mit dem frem 
den Flecken des Todes irgendwo. 
Gin wenig Land liegt zwischen uns, bleischwere Wiutertage 
sind verstrichen, allein du wohnst noch allhier, tief aufgespart in der 
Erinnerung, gehst wie der Saft durch das Geäst der Seele. 
Denke ich nur, wie mag dein Schrei gewesen sein, klagend 
also ins Hohle, Undurchdringliche fallend, und doch so klar zu uns, 
und die Zurückflucht der Gedanken doch zu uns, gleich zu noch 
warmen, helfenden Händen — so stürzen Berge auf das Herz, grund 
los verderbend sinkt man ein, und alles Hinundher der Spuren wird 
verschüttet. 
Gespenster kommen über Rächt, beugen sich in unseren Schlaf 
und legen ihre durchscheinenden Finger uns erinuerungsvoll ins 
Auge. Sie wehen durch die Häuser, durch die großen Städte und 
schwinden schimmernd über lange Korridore. 
Ach, wo sind die windstillen Gesichter, da wir Kinder waren? 
Und unser süßes Lachen ist über Rächt zerbrochen. 
August Brücher
	        
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