Full text: 1914-1916 (1914-1916)

Ereignis reiht sich an Ereignis, eines 
gebiert sich ans dem anderen mit jo dä 
monischer Logik, mit so innerlichem 
Zwang, daß wir den Verlauf dieses 
ehrwürdigen Lebens atemlos verfolgen» 
wie die Geschehnisse eines Romans. 
Welch ein Roman! Hier merkt man 
nicht die besonnene Hand einer ängstlich 
gerechten, sich und die Wett überschauen 
den Schöpfers; hier fühlt mau 
nichts als den zitternden Pulsschlag 
eines ungerecht liebenden und hasiendeu 
Herzens, hier spürt man den ungedul 
digen Atem eines zu innerst Ergriffe 
nen, eines Mit-leidenden» eines Mit 
kämpfenden. Kampfbereite Ehrfurcht 
und Begeisterung führt hier — die 
Zeder nicht, führt Schwert und Zahne. 
Lob und Verteidigung wird znm Ge 
sang, der Gesang zur Zaufare» und die 
Zansare wieder zum Gesang. Richt mit 
verächtlicher und überlegener Geste 
scheucht hier, wie damals» ein vor 
nehmer Geist die Gaffer von dem Bild 
des vornehmen anderen. Hier redet ein 
Mensch zu Menschen von einem ande 
ren großen Menschen. Hier leidet ein 
stolzes und mutiges Herz mit einer 
anderen großen Seele. Hier kämpft ein 
Kämpfer für einen toten Kameraden. 
Hier fehlt die vornehme Geste, die 
weife Vorsicht. Hier rast ein Sturm 
wind und reißt herunter, was sich nicht 
beugt. Hier triumphiert der Geist. 
Und über den Geist die Liebe. 
Den elenden Schwätzern von Ästheti 
zismus und Sutellekt (Zeinde und 
Zreunde waren darunter; zuletzt sogar 
und leider Otto Zlake — auf der Seite 
der Zeinde), diesen beschränkten oder 
beschränkenden Geistern wird hier un 
sanft aufs Dach gedonnert. Zür alle 
Zeiten ist von nun au die Legende er 
ledigt» die Heinrich Manu einen Künst 
ler» aber einen weltabgewaudteu, einen 
negierenden Künstler nannte. 
Durch diese kleine Schrift ist auf eine 
unerwartet herrliche Weise bewiesen, 
daß Heinrich Manu nicht (was wir alle 
längst schon wußten) der größte lebende 
deutsche Erzähler, daß er viel mehr als 
das (und was wir Frommen immer 
glaubten), daß er (und wenn er selber 
zehnmal darauf hustet!), daß er der 
Mensch und Dichter ist, den wir ver 
ehren, bewundern und lieben. 
Wir dürfen und wollen zu ihm das 
sagen, was er die .^Zuversicht" zu Zola 
sagen läßt: „Zukünftige Geschlechter 
werden dich weniger lesen» aber bester 
kennen, und die Gestalt eines Vor 
fahren vor Augen haben bei Reuuung 
deines Namens: eines der guten Män 
ner, die schon damals das Glück für 
alle suchten in der Wahrheit. Auch 
Dich wird die Liebe retten, der Atem 
der Alls, der durch Deine Brost ging." 
Hans Siemseu 
Herausgeber: Otto Haas-Hege, Berlin, Pariser Platz 7 
Verantwortlicher Schriftleiter: 
Hans Siemseu» Lichterfelde, Sternstraße 25 
Zür unverlangte Einsendungen keine Gewähr 
6n Österreich für die Redaktion verantwortlich Hugo Heller» Wien,!, Bauernmarkt Z 
Druck von H. S. Hermann in Berlin 
SS
	        

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