Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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Schelttugs haben die einer Gemeinschaft nicht mehr teilhaften, über einer aus 
ineinander und voneinander flüchtenden Sndividuen gebildeten Gesellschaft hin- 
rieheudeo, ja» wie Wolken hinziehenden Philosophen des philofophifchen Standes 
zur Devise ihres Philosophiereus machen müssen: das Philosophieren ist eine 
Lenden) zur Sudividuatiou. Das Denken der Welt wurde Wählen und Fixiere« 
und Behaupten des Standpunktes» der im Alcht-Borhandeufein einer tragenden 
«ud umschließenden Gemeinschaft, wohl aber im Borhandeaseiu einer wogende«, 
unstabilen Gesellschaft von größter Wichtigkeit werden mußte. 
2u Bergsou scheint mir nun das auf die Gesellschaft gestellte Philosophieren 
zur höchsten und wahrscheinlich letzten Leistung sich gesteigert zu haben, als hier 
dem Sodividnum und seiner alleinigen ^initiative eiurige Gvideur gegeben und 
das pttliche Verhalten von einem rum andern als eine nur äußerer Fweck- 
haftigkeit dienende Belauglostgkeit des Menschen angesehen wird: öder die Be 
wegtheit der Sudividneu wölbt sich allsofort der Himmel. „Wirkliche Dauer 
bereichnet gleichreitig ungeteilte Kontinuität und Schöpfung" (Evolut. Creatr. 
Introd. VII.) — es druckt sich in diesem Satze auch die ganze Lurbnleuz des 
Sudividnums in der Gesellschaft aus. Ls erlag die alte Gemeinschaft de« 2n- 
dividnum, das stch nach wechselnden Bedürfnissen und 2nteresseu gruppiert und 
wieder trennt und aufs neue gruppiert» gewiß nach dem nicht verlorenen formalen 
Schema der alten Gemeinschaft» aber danach nur sich in dem zusammenfassend» 
was mau Gesellschaft nennt. Die Gesellschaft hat ihren Erreuger, das 2udividuvm» 
auf fein höchsterreichbares Maß gebracht» denn es gab stch in der Gesellschaft die 
größte Freiheit: es fand stch in die Gesellschaft zur Garantie dieser werdende» 
Freiheit. Dieser Prozeß scheint nun erschöpft zu sein: die 2udividueu können 
nicht mehr ihre Bedingungen, nämlich gesellschaftttch zu leben, erfülle« und 
drohen in eine Liuzelhaftigkeit zu fallen» welche alles Leben und damit auch das 
des 2udividuums aufhebt. Diese Krise drückt Bergsou ans: er erleichtert dem 
2udividllum das Leben» indem er es aus der Haft feiner 2utellektualltL1 entläßt 
und an die 2utuition abgibt („Intuition et Ivteilisenve repräsentent denx 
directions opposees du Travail Conscient.“ Evol. creatr. 289; und ,^In 
tuition marche dans le sens meine de la vie, l’Intelligence va en sens 
inverse“). Und der vitale Akt ist ein Elan» eine ünprevisibilite, eine non 
veaute; ferner indötermination, liberte, incommensurabilite avec I’id^e, 
accroissement, exigeance de reaction, progrfes, continuite de jaillissement, — 
mit allen diesen Worten immer nur gesagt, daß der Akt ein Akt »nd Kein
	        
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