Full text: 1914-1916 (1914-1916)

pescara, an einem Augustmorgen. 
^^cheinbar wird uns von den Ereignissen die Ohnmacht des 
Geistes demonstriert, aber Ln Wahrheit können sie alle zuletzt 
nicht anders als dem Geist zu dienen. Heute flacht weckten mich 
Ranonenschüsse vom Meer her, ich stand am Fenster über dem 
urweltlich stillen Strand und hörte das Rollen aus der ungewissen 
Ferne herüber, ich wußte nicht „was" es war — ein Gefecht zwischen 
deutschen und englischen Schiffen? — nur daß es Vernichtung war, 
weithin nach allen Seiten Vernichtung, und — Reinigung des 
Geistes. Es riß mich aus meinen Grenzen, trug mich mitten in 
den Rampf, ich lebte einen Augenblick zerschmettert und befreit. 
Und jetzt fühle ich immerzu das eine, daß der Geist all dies nicht 
über sich ergehen laßt: daß er all dies als seinen Weg zu sich meint 
und will. Er ist es, der Ln diese Taufe tritt. Und wir: als den 
siüchtigen Menschen, die sterben sehen und mitsterben, ist uns alles 
Grauen und die Todespein tausendfältig zugeteilt, aber als seine 
Glieder wissen wir uns von ihm geführt und durch und durch 
unsterblich. 
Berlin, nach der Heimkehr. 
-^Derlin zeigt mir endlich sein Gesicht, ein menschliches und be 
deutendes. Endlich gibt es seine Größe kund, die bisher hinter 
seiner Häßlichkeit verschwand; auch diese lernt man nun lieben, 
denn beide gehören zusammen. Wenn ich durch die Straßen gehe, 
erkenne ich, stärker wohl als ich es auf dem Schlachtfeld selber 
vermöchte, die dreifache gegenwärtige Wirklichkeit: die Pflugschar, 
das aufgewühlte Erdreich und den kommenden Samen. Ich sehe, 
tief unter allen Absichten und Aktionen und unendlich wirklicher 
als sie, die Bereitung. 
Rinesis, Bewegung: so nannten Griechen den Übergang von 
der ruhenden zur wirkenden Rrafc, vom Seinkönnen zum Sein. 
Das Zeitalter der Rinesis, in das wir getreten sind, hat nicht mit 
diesem Rrieg begonnen, es wird Ln ihm nur manifest. Dies ist das 
Zeitalter, in dem die Seele des Menschen nicht mehr stockt und 
starrt, sondern sich ins Äußerste der Tat ausschwingt; Ln dem die 
Tat des Menschen nicht mehr von einem Getriebe vieler kleinen 
ZS
	        
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