Full text: 1914-1916 (1914-1916)

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möglich ist? Zruchtbare Dialektik? — Verautwortougslofes Ge- 
witzel hat doch hoffentlich das Schicksal, von «ns beiden verachtet zn werden; ich 
fordere, gerad wo ich Heiterkeit fordere, Hintergrund. Sogenannte Aphorismen 
befchreibeu kein Sgstem des Denkens» aber pe folgern aus einem; greifen Sie 
mein Sgstem au, nicht etliche Spitzen, auf die ichs getrieben habe. Explizieren Sie 
3hr Prinzip — wie ich das meine (an andrer Stelle) wütend-sorgfältig explizierte; 
daun wird sich erweifeu» daß Sie ein kluger Apologet der Beharrung find; daß 
nicht Wahrheit gegen 3rrtum hier «ud nicht einmal „Weltanschauung gegen 
Weltanschauung" steht, fouder« (viel polarerl) Welt-Anschauung gegen 
Welt-Wollnng. Ihnen ergeben 
R. H. 
Sehr geehrter Herr Dietioauarlnnl 
Und wenn ich nun allererst durch 3hr Wörterbuch Lust bekommen habe, 3hr 
Sgstem kennen zu lernen? So sollte ich keinen Kommentar zu« Wörterbuch schreiben? 
3ch meine doch. Denn ein Kommentar ist kein Angriff. Sondern eine Stimme und 
Antwort. Ersehen Sie aus dieser Antwort» daß Sie mißverstanden werden» so kaun 
das Manko natürlich am Antworter liegen, aber auch daran» daß ein Wörterbuch 
am besten seinen Zweck erfüllt» wenn es ad usum delphini geschrieben ist und ein 
Aphorismus» wenn er nicht als Schleppe die Anmerkung braucht: „vgl. mein 
Opus II., pag. 827". Ein Aphorismus kaun nicht mehr leisten als ein Ding in 
ein neues Licht stellen. Und nun rückt der Kommentar es ein wenig herum: 
„So. — 3a. Aber auch so." Soll ich nun» wenn Sie eine dritte Seite herum 
drehen, auch noch den Buckel beleuchten? Als z. B.» daß ein Arzt freilich nicht 
nach der urgroßmütterlicheu Hochzeit fragt, aber allerdings nach dem ersten 
Auftreten der Blinddarmschmerzeu und nach den vorausgegangenen Krankheiten? 
Daß Hegels konservative Theoreme als Marxsche Waffe 3hueu vielleicht uu- 
sgmpathisch find, aber sust um des merkwürdigen Gegensatzes willen andre 
erheitern? Daß die Partei der Weltändernng «och nicht „Partei" ist, aber 
in Gefahr gerät, es zu werden, wenn ste allzu bnkeumaßig überall auf Gegen- 
atzlichkeit stößt? 3ch könnte das (und vieles) sagen. Aber wozu? Wenn ich auch 
nicht glaube, daß die Sprache die Gedanken um jeden Preis verhüllen soll» — 
allzusehr ein Mißverstehen fürchten, ist auch ein Zehler. Karambolieren würden 
wir eben kaum in einem Zoll, sondern wieder „übereinander hiuflitzeu". Dar 
wäre erfreulich für mich als „Welt-Anfchauer" «ud Lrgerüch für Sie. Und 
ich kaun es nicht wünschen, da bisher schon das Bergnüge» an nuferer Bekannt 
schaft ausschließlich auf meiner Seite war. 3hueo ergeben 
S. M.
	        
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